Uniformen der spanischen Olympiamannschaft in der Diskussion


© EFE

Russischer Lieferant weist Kritiken zurück

Hässlich, Attentat auf die Ästhetik, lächerlich…so lauteten die Reaktionen, als die Fotos der Uniformen im Internet zu sehen waren, welche die spanische Mannschaft bei den Olympischen Spielen in London tragen wird.

Madrid – Eine Polemik, die nach der Mitteilung des russischen Unternehmens BoscoSport, das die Bekleidung der Sportler entworfen hat, völlig unbegründet ist. Die verbreiteten Fotos haben nach Mitteilung von BoscoSport nicht annähernd Ähnlichkeit mit den definitiven Modellen, die Ende des Monats der Öffentlichkeit vorgestellt werden sollen.

„Hier bei BoscoSport beschäftigen wir uns seit zehn Jahren mit den Olympischen Spielen, und in dieser Zeit war es unser Ziel, den Geist von Spanien, Russland und der Ukraine zu erfassen, der drei Länder, mit denen wir zusammenarbeiten. Wir sind Pioniere bei der Verwendung von Ornamenten in der Ausstattung von Olympiamannschaften, von Motiven, die für jedes Land einmalig und symbolisch sind. Bei Russland ist es eine Feder des Phönix und bei der Ukraine eine Weizenähre. Wir haben die Folklore Spaniens detailliert studiert, und wenn wir Ende Mai die Uniformen sowohl für die Olympiamannschaft als auch für die Teilnehmer der Paralympischen Spiele vorstellen, werden die Sportler und die Bürger zufrieden sein. Es handelt sich um ein sehr schönes Design – „authentisch, gelungen und vor allem sehr spanisch“, heißt es in einer E-Mail des Direktors von BoscoSport, Mikhail Kusnirovitsch.

Bei den Fotos handelt es sich um eine Veröffentlichung des Spanischen Olympischen Komitees COE vom November 2011. Das COE hatte damit eine Nachricht „illustriert“, die besagte, dass die Entwürfe, welche die russische Firma präsentiert hat, akzeptiert wurden. „Es ist nur ein Ausgangspunkt des Designs, das möglicherweise noch zahlreiche Änderungen erfahren hat“, erklärte ein Sprecher des COE.

Der Verband der Modeschöpfer Spaniens ACME begrüßte daraufhin, dass die spanischen Sportler nicht in dieser Aufmachung antreten müssen, doch die Ästhetik sei dabei das geringste Problem. „Es ist weniger schlimm, wenn die Kleidung hässlich ist. Schlimmer ist, in einem Moment, in dem es mit dem internationalen Ansehen unseres Landes nicht zum Besten steht, das Projekt an eine russische Firma zu vergeben, was den niederschmetternden Eindruck vermittelt, in Spanien gebe es keine kreativen und konkurrenzfähigen Firmen. Außerdem – im Ausland zu fabrizieren, ist eine Beleidigung für unsere Industrie und für fünf Millionen Arbeitslose. Das COE sagt zwar, diese Zusammenarbeit erspare dem Staat 1,5 Millionen Euro, denn BoscoSport stellt die Uniformen gratis zur Verfügung, doch es gibt kein Geld, um den Schaden zu bezahlen, welcher der Marke Spanien zugefügt wird“, klagte Modesto Lomba, der Präsident von ACME. Stella McCartney stattet die britische Mannschaft aus, Ralph Lauren die Amerikaner und die italienischen Sportler werden von Armani eingekleidet.

Bis 2004 hat das spanische Olympische Komitee die Ausstattung der Teilnehmer selbst bezahlt. Seit den Spielen in Peking wird sie von einem Sponsor bezahlt, dessen Logo dann gezeigt wird. 2006 hatte das COE die Ausstattung der spanischen Mannschaft öffentlich ausgeschrieben, doch nur eine einzige spanische Firma reichte ein Angebot ein. Den Zuschlag bekam schließlich Li-Ning aus China. Diese Firma war bis 2010 für die offizielle Bekleidung spanischer Sportler zuständig. Dann ging der Vertrag – dieses Mal ohne öffentliche Ausschreibung –  an das russische Unternehmen.

Neben der kostenlosen Lieferung der Bekleidung für die Olympiateilnehmer zahle BoscoSport 250.000 Euro als offizieller Sponsor der spanischen Mannschaft, bestätigte der Präsident des COE Alejandro Blanco. Der Direktor des russischen Unternehmens, das 2011 600 Millionen Euro Gewinn machte, hofft, dass dieses Sponsoring nur der Anfang einer engen Zusammenarbeit mit dem spanischen Sport ist. „Die Olympischen Spiele sind nicht nur eine Gelegenheit, große sportliche Erfolge zu erzielen, sondern auch die Kreativität und die Kultur eines Landes zu demonstrieren. Es geht um eine große Verantwortung, die wir sehr ernst neh­men. Vom kreativen Standpunkt aus werden wir ein modernes und einzigartiges Design präsentieren“, versicherte er.




Über Wochenblatt

Das Wochenblatt erscheint 14-tägig mit aktuellen Meldungen von den Kanaren und dem spanischen Festland. Das Wochenblatt gilt seit nunmehr 36 Jahren als unbestrittener Marktführer der deutschsprachigen Printmedien auf den Kanarischen Inseln.