Unbekannte Dokumente aus der Franco-Ära zur Ermordung Lorcas entdeckt


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Das Franco-Regime hatte die Hinrichtung des großen spanischen Dichters nie offiziell anerkannt

Die Umstände der Ermordung des Lyrikers und Dramatikers Federico García Lorca, der 1936 zu Beginn des Spanischen Bürgerkrieges von Handlangern des späteren Diktators Francisco Franco gefangen genommen und einige Tage später an der Landstraße von Viznar nach Alfacar bei Granada erschossen wurde, konnten bisher nicht genau geklärt werden.

Man ging davon aus, dass der berühmte spanische Schriftsteller, eine der führenden Gestalten der Autorengruppe „Generación del 27“, zusammen mit drei weiteren Gefangenen umgebracht und nahe dem Ort seiner Erschießung verscharrt worden war. Sein Grab wurde bis heute nicht gefunden.

Nun sind 79 Jahre nach den dramatischen Ereignissen erstmals Dokumente aufgetaucht und von der Online-Tageszeitung „El Diario“ und dem Radiosender Cadena SER veröffentlicht worden, in denen die Franco-Regierung den Mord an García Lorca einräumt. Darin heißt es unter anderem, er sei standrechtlich erschossen worden, nachdem er „gestanden“ habe. Die Schriftstücke stammen aus dem Jahr 1965 und wurden in Beantwortung einer Anfrage, welche die französische Journalistin Marcella Auclair bei der spanischen Botschaft in Paris einreichte, erstellt.

In dem Bericht der 3. Brigade für soziale Ermittlungen des Polizeipräsidiums von Granada heißt es, Lorca sei „Sozialist und Freimaurer“ gewesen, und ihm werden „homosexuelle Praktiken“ zugeschrieben, wenn auch „kein konkreter Fall“ bekannt sei. 

Der Bericht weicht von der Version der Ereignisse ab, welche bis dato von Lorca-Biografen und Historikern aus den zur Verfügung stehenden Informationen rekonstruiert worden war.

War man bisher davon ausgegangen, dass Lorca zusammen mit einem Lehrer und zwei anarchistischen Guerilleros erschossen wurde, so spricht der Bericht aus dem Jahr 1965 davon, er sei zusammen mit nur einem weiteren Gefangenen hingerichtet worden. Auch auf den Ort, wo Lorca begraben wurde und der bisher in der Nähe des Tatortes gesucht wurde, wird eingegangen. Dieser soll sich in einem Barranco einige Kilometer entfernt befinden. 

In dem Dokument ist über die Beschuldigungen und Ereignisse Folgendes zu lesen: „Ein Freimaurer, der zur Loge Alhambra gehörte, in der er den Namen Homero trug, der Grad, den er erreichte, ist unbekannt.

Er wurde für einen Sozialisten gehalten, aufgrund seiner Äußerungen und wegen seiner Verbindung zu Fernando de los Rios (sozialistischer Politiker 1879-1949) sowie auch wegen seiner engen Beziehungen zu anderen wichtigen Persönlichkeiten dieser politischen Ausrichtung.

Die ruhmreiche Nationale Bewegung überraschte ihn in der Hauptstadt (Granada), in der er einige Tage zuvor, aus Madrid kommend, eingetroffen war, und in den ersten Tagen wurden in seinem Wohnsitz zwei Durchsuchungen vorgenommen, weshalb er Angst bekam und sich in das Haus seiner Freunde flüchtete, der Brüder Rosales Abmache, die langjährige Falangisten sind. Bis zu seiner Verhaftung blieb er dort. Diese wurde in den letzten Juli- oder ersten Augusttagen 1936 durchgeführt.“

Weiter heißt es: „Er wurde in die Kerker der Zivilregierung gebracht und von einem Kommando derselben herausgeholt und in einem Auto nach Viznar gefahren und in der Umgebung des Ortes, der als Fuente Grande bekannt ist, zusammen mit einem weiteren Gefangenen, dessen persönliche Umstände unbekannt sind, standrechtlich erschossen, nachdem er gestanden hatte. Er wurde sehr oberflächlich in einem Barranco einige Kilometer rechts von Fuente Grande begraben.“ Worin genau das erwähnte „Geständnis“ bestand, wird nicht dargelegt.

Die Ermordung Lorcas wurde durch die Franco-Regierung nie zugegeben, weshalb die Veröffentlichung dieser Dokumente eine historische Sensation darstellt.




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