Überreste von acht Franco-Opfern gefunden


In einem Massengrab nahe Sevilla

Anfang September haben Archäologen des Andalusischen Verbandes Historische Erinnerung und Gerechtigkeit in einem Massengrab in Cazalla de la Sierra (Sevilla) die Überreste von acht Opfern der Franco-Ära entdeckt.

Cazalla de la Sierra – Die gefundenen Skelette sind Zeugen der Gewalt: Ein- und Austrittslöcher von Geschossen sowie gebrochene Knochen lassen das Grauen der mit auf dem Rücken gefesselten Händen Hingerichteten nur erahnen. In der Grube liegen Patronenhülsen, die endgültigen Aufschluss über das Schicksal der Opfer geben. Es wird vermutet, dass es sich bei den Opfern um Angehörige der letzten republikanischen Vereinigung von Alanís de la Sierra handelt. Die Überreste müssen noch identifiziert werden, aber es wird davon ausgegangen, dass es sich u.a. um Bürgermeister José García Galindo, seinem Stellvertreter Manuel García Espínola, den Bahnhofvorsteher Pedro Doctor Arruga und das Tagelöhner-Ehepaar José Campos und Antonia González handelt. Von den Franco-Milizen zwischen September und Oktober 1936 ermordet, wurden die Überreste dieser Menschen schon lange von ihren Angehörigen gesucht.

Die Suche nach dem Massengrab, in dem die Körper von circa 300 Hingerichteten vermutet werden, gestaltete sich als schwierig. Die Wissenschaftler mussten sich auf mündliche Aussagen der Zeitzeugen stützen. Statt unter einer Lehmmauer fanden sie das Massengrab schließlich acht Meter innerhalb des Friedhofes zwischen später gepflanzten Zypressen. Insgesamt 21 m lang, 5 m breit und 2 m tief, könnten in der Grube auf fünf Ebenen die Überreste von hunderten von Menschen im Alter zwischen 17 und 65 zu finden sein.

Für die Exhumierung dieses Massengrabes und eines weiteren in La Puebla steht dem Andalusischen Verband Historische Erinnerung und Gerechtigkeit eine Subvention des Präsidentschaftsministeriums in Höhe von 54.000 Euro zur Verfügung. Rafael López, Präsident des Verbandes, erklärte, es müsse Aufgabe des spanischen Staates und nicht der Angehörigen sein, die Ausgrabung und Identifizierung der Franco-Opfer zu übernehmen.

Bis vor Kurzem ging man noch davon aus, dass ungefähr 30.000 Menschen der Franco-Maschinerie zum Opfer gefallen seien. Mittlerweile beziffert Empar Salvador, Sprecherin eines Zusammenschlusses von Hinterbliebenenverbänden, nach genauerer Forschung und Zählung die Opfer auf genau 143.353.

Es wird damit gerechnet, dass in den nächsten Jahren noch viele Massengräber gefunden werden. Die historische Aufarbeitung ist noch lange nicht beendet.




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