Über 5.000 Verkehrstote weniger


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Verkehrsgeneraldirektor Pere Navarro zieht Bilanz

Pere Navarro gehört nicht zu den Menschen, die sich öffentlich mit ihrem Erfolg schmü­cken wollen, und dabei wäre es in seinem Fall mehr als gerechtfertigt. Der spanische Verkehrsgeneraldirektor kann mit Stolz von sich behaupten, mit seiner Führung in den letzten viereinhalb Jahren und unterstützt durch die sozialdemokratische Regierung, die Zahl der Verkehrstoten um über 5.000 Personen reduziert zu haben.

Madrid – Der 1952 in Barcelona geborene Verkehrsexperte gibt immerhin zu, dass es sich sicherlich um eine der besten Nachrichten dieses Jahres handelt. „Ich will nicht den Eindruck erwecken, als würde ich damit angeben wollen, 5.391 Todesfälle verhindert haben zu können. Es sind immer noch viele. Ich würde das Risiko eingehen, in Selbstgefälligkeit zu versinken, was mich unweigerlich in die Ineffizienz füh­ren würde. Es ist so deutlich, dass ich glaube, gut getane Dinge sprechen für sich selbst. Ich würde lieber über die Dinge sprechen, die noch nicht funktionieren.“

Das Einzige, was ihn wirklich ärgert, ist der Gedanke, dass der nun endlich erzielte Erfolg bereits viel früher hätte stattfinden können, wären nur die richtigen Dinge unternommen worden.

2004 sind 4.032 Menschen auf Spaniens Straßen ums Leben gekommen. Nach derzeitigem Stand wird davon ausgegangen, dass es in diesem Jahr „nur“ etwa 2.200 Verkehrstote in Spanien geben wird. Sollte sich das bestätigen, wäre es die „beste“ Zahl seit 1964, als in Spanien noch nicht einmal eine Million Fahrzeuge verkehrten. Inzwischen sind es 30 Mal mehr. Außerdem würde es einen Rückgang von 40% innerhalb von fünf Jahren bedeuten.

Ausschlag gebend für diesen Erfolg war die Einführung des Punkte-Führerscheins in Spanien, für den sich Navarro jahrelang unerbittlich eingesetzt hat. Und das, nachdem er vorher jahrelang darum kämpfen musste, sich im Hinblick auf die immens hohe Anzahl an Verkehrstoten bei der Regierung überhaupt erstmal Gehör zu verschaffen. Immer wieder wurde er mit Sätzen wie „Das fällt nicht in unseren Kompetenzbereich“, „Das Gesetz erlaubt das nicht“ oder „Es fehlt Personal“ abgespeist. Doch davon ließ sich Navarro nicht beirren. So reiste er beispielsweise höchstpersönlich nach Frankreich, um von den dortigen Erfahrungen zu lernen. Wieder zurück in Spanien ging es Schlag auf Schlag. Sein Ressort vervierfachte auf seine Anweisung die Pressekonferenzen und Informationskampagnen. Die Kontrollen wurden verschärft, das Strafgesetzbuch geändert und der Punkte-Führerschein eingeführt. Viele der von ihm veranlassten Maßnahmen wurden scharf kritisiert. Navarro ließ das jedoch kalt, im Gegenteil, er freute sich darüber, dass dadurch das Thema ständig in der Öffentlichkeit zur Sprache kam. Über einen seiner schärfsten Kritiker meinte er einmal: „Wenn es ihn nicht gäbe, müsste man ihn erfinden.“

Angesichts der aktuellen Zahlen dürfte selbst dieser Kritiker jetzt zum Schweigen gebracht worden sein

 „Dafür zu arbeiten, dass Menschen nicht sterben, ist vielleicht das Höchste, das man anstreben kann“, murmelte Navarro am Ende der Pressekonferenz, auf der die jüngs­ten Zahlen bekanntgegeben wurden.




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