Tempo 130 in Sicht?


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Das Innenministerium führt bereits entsprechende Studien durch

Während im Laufe des vergangenen Jahres Wissenschaftler, Umweltschützer und Experten für Verkehrssicherheit für ein Tempolimit auf den Autobahnen plädierten und tatsächlich für mehrere Monate 110 Stundenkilometer vorgeschrieben waren, denkt Innenminister Jorge Fernandéz Díaz jetzt über Tempo 130 nach.

Madrid – Er sei für eine Anhebung der Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen und Autostraßen über die derzeitigen maximal 120 Stundenkilometer absolut offen, hatte er vor den Medien erklärt.

Wenn im Lande über eine Änderung der Geschwindigkeit diskutiert wird – sei es nach oben oder nach unten – ist Polemik vorprogrammiert. Wenn es um eine Erhöhung geht, sind die Autobauer und die Automobilclubs gleich mit positiven Argumenten zur Stelle. Verkehrsopferverbände, Ökologen und Verbraucherschützer dagegen schlagen Alarm.

Der starke Anstieg der Rohölpreise zu Beginn des vergangenen Jahres war der Auslöser für die umstrittene Entscheidung der sozialistischen Regierung von José Luis Zapatero, die Höchstgeschwindigkeit auf den Autobahnen auf 110 km/h zu reduzieren. Jetzt ist der Ölpreis bedeutend höher und die Wirtschaftskrise härter denn je. Aber inzwischen hat Spanien eine neue Regierung und Partido Popular hatte die Geschwindigkeitsbeschränkung, die nur vier Monate währte, seinerzeit scharf kritisiert.

Allerdings hatte die Maßnahme eine weitreichende Diskussion ausgelöst und viele Experten stimmten darin überein, dass die geringere Geschwindigkeit kostengünstiger ist, weniger kontaminiert und die Zahl der tödlichen Unfälle reduziert. Welche Gründe haben den Minister also bewogen, über eine Erhöhung der Höchstgeschwindigkeit auf 130 Stundenkilometer nachzudenken?

Die Initiative ging vom Sprecher der katalonischen Nationalisten CiU, Jordi Jané, aus, der den Antrag bei der Kommission für Verkehrssicherheit im Parlament eingebracht hatte. Der Innenminister machte eine weitere Entscheidung von der Analyse über die Auswirkungen auf den Treibhauseffekt abhängig. „Spanien zahlt bereits hohe Summen für die sogenannten Emissionsrechte“, gab er zu bedenken. Die Erhöhung der Zahl der Verkehrstoten durch erhöhte Geschwindigkeit macht ihm dagegen keine Sorgen. Mehr als 75% der tödlichen Unfälle in Spanien passieren nach seinen Angaben auf Landstraßen und nicht auf den Autobahnen.




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