Telefonieren am Steuer soll stärker bestraft werden


DGT-Direktor Pere Navarro: Ablenkungen am Steuer führen am häufigsten zu tödlichen Verkehrsunfällen. Foto: EFE

Verkehrsdirektor Navarro will den von ihm seinerzeit eingeführten Punkteführerschein den heutigen Gegebenheiten anpassen

Madrid – Pere Navarro, der bereits von 2004 bis 2012 die Verkehrsbehörde DGT leitete, hat im Juli erneut das Amt des DGT-Direktors übernommen. Navarro, der 2006 den Punkteführerschein einführte und dem es während seiner ersten Amtszeit gelang, innerhalb von acht Jahren die Zahl der Verkehrsunfälle zu halbieren, gab bei einer seiner ersten Pressekonferenzen bekannt, die Regelungen des Punkteführerscheines reformieren zu wollen, um die Zahl der Verkehrstoten zu senken. Angestellte der Verkehrsbehörde ließen durchsickern, Navarro habe dabei insbesondere die Verschärfung der Sanktionen beim Gebrauch des Mobiltelefons am Steuer im Auge, einem der häufigsten und gefährlichsten Verkehrsvergehen. Bei der Ablenkung am Steuer handelt es sich um die Hauptursache für tödliche Verkehrsunfälle und sie rangiert noch vor dem Alkoholkonsum oder der Geschwindigkeitsüberschreitung.

Navarro will allgemein den Punkteabzug – beim spanischen Führerschein werden von ursprünglich vorhandenen 12 bis 15 Punkten je nach der Schwere des Verkehrsvergehens 2 bis 6 Punkte abgezogen – erhöhen.

Der alte und neue Direktor der DGT stellte den Verkehrssicherheitsbericht seiner Behörde für das vergangene Jahr vor und kam zu dem Schluss, es gäbe dringenden Handlungsbedarf bei der Verbesserung der Sicherheit von Nebenstraßen und bei Ablenkungen am Steuer. Auch müsse unbedingt der Schutz von Fußgängern, Fahrrad- und Motorradfahrern verbessert werden, denn diese stellten im vergangenen Jahr fast die Hälfte der Verkehrstoten. Demnach kamen 2017 auf den spanischen Straßen 78 Fahrradfahrer, 359 Motorradfahrer und 351 Fußgänger ums Leben.

Während der ersten zehn Jahre des spanischen Punkteführerscheines, also zwischen dem 1. Juli 2006 und dem 30. Juni 2016, wurden 12,3 Millionen Fahrer mit Punkteabzug bestraft, während 75% der Spanier mit Führerschein ihre volle Punktezahl behielten. Die meisten Punkteabzüge gab es wegen Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit (46%), wegen

Fahrens ohne Gurt oder Kindersitz (11%), der Nutzung von Mobiltelefonen (10%) oder Alkohol- bzw. Drogenkonsum (9%).

In den vergangenen Jahren hat sich der Trend geändert, und es wurde immer mehr Punkteabzug wegen Telefonierens mit dem Mobiltelefon am Steuer verhängt, das derzeit mit dem Verlust von drei Punkten bestraft wird, dagegen Alkoholkonsum oder Geschwindigkeitsübertretung mit sechs Punkten.

Weil Ablenkung am Steuer am häufigsten zu tödlichen Verkehrsunfällen führt, will Navarro nun den Punkteabzug erhöhen.

Im vergangenen Jahr belegte Spanien in Sachen Verkehrssicherheit europaweit den achten Platz. Pro eine Million Einwohner waren 39 Verkehrstote zu beklagen, weniger beispielsweise als in Deutschland.

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