Technische und fundamentale Analyse oder eine sinnvolle Strategie bei der Aktienanlage


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Ein Artikel von Ottmar Beck (Alltrust AG)

Es ist Sommerzeit. Zeit für den Urlaub. Wer dennoch von Ihnen die Wirtschaftspresse verfolgt hat, sah sich mit unterschiedlichen Interpretationen der derzeitigen wirtschaftlichen Lage konfrontiert.

Die sogenannte Dow-Theorie, eine technische Analysemethode, hob hervor, dass die meisten der großen Aktienmärkte sich über ihrem 200-Tage-Durch­schnitt bewegt haben. Mit dem Anstieg der Indizes Dow Jones Industrial und Transportation über die Hochpunkte vom Juni hat sie daher ein neues technisches Kaufsignal gegeben.

Betrachtet man jedoch einen der wichtigsten fundamentalen Indikatoren, den Zinssatz, so zeigt dieser im Gegensatz zur Dow-Theorie noch keine Erholung an. Die Zinsen sind niedrig und fallen weiter. Daraus kann man folgern, dass noch keine substanzielle wirtschaftliche Erholung da ist.

Diese beiden Indikatoren sind nur ein Beispiel dafür, zu wie unterschiedlichen Bewertungen verschiedene Analysemethoden kommen. Und es gibt durchaus verständliche Gründe, warum die genannten Indikatoren verschiedene Ergebnisse liefern: Die derzeitige Aktienkurserholung wird durch gute Halbjahreszahlen der Unternehmen und die positiven Kommentare der Manager bestimmt. Nun zeigen die guten Geschäftszahlen natürlich nur die Vergangenheit und kein Vorstand will mit einer negativen Meinungsäußerung die Kurse seines Unternehmens nach unten beeinflussen. Die festverzinslichen Werte wiederum reflektieren die Erwartungen für die Zinsentwicklung, die im Moment sehr stark von den Zentralbanken beeinflusst wird. Wo immer man hinhört, machen die Vorstände der Zentralbanken deutlich, dass sie jeden Schritt der notwendig ist, tun würden, um zu verhindern, dass die Wirtschaft erneut in eine Rezession fällt. Beiden Analysemethoden ist eines gemeinsam: Sie leben von Erfahrungen und Zahlen der Vergangenheit. Jede Methode hat ihre Erfolge, allerdings auch ihre Misserfolge: Wissenschaftliche Untersuchungen haben immer wieder gezeigt, dass Prognosen in vielen Fällen keine positiven Ergebnisse bringen. Viel wichtiger für eine erfolgreiche Anlage ist vielmehr die konsequente Anwendung einer sinnvollen Anlagestrategie und die Steuerung des Risikos.

Nehmen wir einmal an, Sie investieren nach der Methode „Teuer verkaufen, günstig nachkaufen“ (Gewinnmitnahme-Strategie). Da Sie wissen, dass deutsche Aktien in der Vergangenheit jährlich Renditen zwischen –44 % und +66 % erwirtschaftet haben, sind Sie vorsichtig und wollen sich mit 6 % pro Jahr zufriedengeben. Sie starten, indem Sie Ihr Geld zu 50 % in Festgeld für ein Jahr und zu 50 % in Aktien anlegen. Zum Jahresende überprüfen Sie, ob im abgelaufenen Jahr die Aktien den Zielbetrag (+6 %) erreicht haben. Nehmen wir an, Sie investieren zunächst 1.000 €, kaufen also für 500 € Aktien und die anderen 500 € legen Sie für ein Jahr als Festgeld an. Ist die Aktienanlage bis zum Jahresende mehr als 530 € Wert, wird der überschießende Anteil dem Festgeld hinzugefügt. Ist der Betrag niedriger, so wird das Festgeld reduziert und der Aktienanteil wird auf den geplanten Wert von 530 € erhöht. Bei dieser Methode werden systematisch überproportionale Gewinne mitgenommen, wenn der Aktienmarkt überdurchschnittliche Erträge produziert hat. Schneidet der Aktienmarkt unter Durchschnitt ab, wird automatisch zu günstigen Kursen nachgekauft. Wenn Sie mit dieser Methode am 01.01.2000 begonnen hätten, hätten Sie im schlechtesten Jahrzehnt für Aktien die in der Tabelle unten aufgezeigten Ergebnisse erzielt.

In den zehn Jahren zuvor (1990–1999) hätten Sie mit der Gewinnmitnahme-Strategie 10 % pro Jahr oder 164 % über den gesamten Zeitraum verdient. Darüber hinaus waren Sie immer sowohl in Sach- als auch in Finanzanlagen, das heißt diversifiziert, investiert. Auf diese Weise, also mit der konsequenten Verfolgung einer Anlagestrategie, hätten Sie ohne viel Aufwand und hellseherische Fähigkeiten viele angewandte Analysemethoden und deren Prognosen in puncto Rendite geschlagen.

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Haben Sie Interesse? –

Sie können bei Herrn Robert Burlon unter der Telefon-Nr.: 922-57 54 96 Näheres erfahren.




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