Tauziehen um spanischen Energiekonzern


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Madrid will Übernahme durch E.ON auf jeden Fall verhindern

Im Eiltempo und ungeachtet aller Warnungen hat die spanische Regierung alles daran gesetzt, die Übernahme des spanischen Energiekonzerns Endesa SA durch die deutsche E.ON AG zu verhindern.

Madrid – Nachdem E.ON Mitte Februar überraschend mit seiner Offerte von insgesamt 29,1 Milliarden Euro (27,50 Euro je Endesa-Aktie) sämtliche bisher gebotenen Beträge um knapp 29% übertraf, beschloss die Regierung in Madrid mit einem Real Decreto eine Gesetzesänderung, durch die die spanische Energiekommission (CNE) ab sofort auch bei der Übernahme durch ausländische Unternehmen genaue Prüfungen durchführen und gegebenenfalls von ihrem Vetorecht Gebrauch machen kann. Bislang galt dies nur bei Zusammenschlüssen kleiner nationaler Unternehmen.

Es sei nicht logisch, dass E.ON zwar ein ausländisches Unternehmen kaufen kann, auf Grund von Vorbehalten der Bundesregierung jedoch nicht selbst aufgekauft werden darf, gab Wirtschafts- und Finanzminister Pedro Solbes unter anderem im Hinblick auf das Misstrauen zu bedenken, das die spanische Regierung gegen die E.ON-Offerte hegt.

Der zweite große Schachzug, den die Regierung unter José Luis Rodríguez Zapatero plant, ist, die Milliardenzahlungen schrittweise zu kürzen, die der Staat den spanischen Stromunternehmen zahlt, um die Differenz zwischen den Produktionskosten und den öffentlich festgelegten Tarifen für Haushaltsstrom auszugleichen.

Unruhe

Doch nicht nur in Spanien hatte das unerwartete Angebot des deutschen Energiegiganten E.ON für Unruhe gesorgt. Europaweit sahen sich die großen Energiekonzerne zu raschen Entscheidungen gezwungen, wenn sie verhindern wollten, dass E.ON durch die Übernahme von Endesa zu dem weltweit größten Energiekonzern wird.

Obwohl Berichten in den deutschen Medien zufolge die Annahme der E.ON-Offerte nur eine Frage der Zeit zu sein scheint, deutet in Spanien alles darauf hin, dass letztendlich doch der spanische E.ON-Rivale Gas Natural das Rennen machen wird.

Gas Natural hatte bereits im Herbst ein Übernahmeangebot vorgelegt, das jedoch längst nicht an den von E.ON gebotenen Betrag heranreicht. Durch die Erweiterung der CNE-Kompetenzen hat die spanische Regierung Gas Natural nun genügend Spielraum geschaffen, ein neues Angebot vorzulegen. Fest steht, dass Madrid alles daran setzt, eine nationale Lösung für das Gerangel auf dem Energiemarkt zu finden.

Bleibt allerdings noch abzuwarten, wie die EU-Kommission im Hinblick auf die von der spanischen Regierung im Eilverfahren erlassenen Gesetzesänderung entscheidet. Brüssel befindet nämlich, dass die Prüfung von Fusionen ausländischer Unternehmen einzig und allein durch die EU-Kommission durchgeführt werden darf. Spanien wurde in diesem Sinne bereits mehrmals verwarnt.




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