Tausende Särge gegen Billigmodelle ausgetauscht


Am 31. Januar nahmen Beamte der Nationalpolizei 15 Personen fest und durchsuchten die Räume des Tanatorio El Salvador. Foto: EFE

Bestattungsunternehmen wird Betrug in großem Stil vorgeworfen

Valladolid – In Valladolid ist ein Betrugsskandal im Bestattungsgeschäft aufgeflogen. Das Bestattungsunternehmen El Salvador, das fünf Trauerhallen (tanatorios) in der Provinz betreibt, soll bis zu 6.000 Särge kurz vor der Einäscherung gegen weitaus günstigere Modelle ausgetauscht und weiterverkauft haben. Regierungsvertreterin Virginia Barcones erklärte, der Schaden gehe in die Millionen. Die Masche der Betrüger ging so weit, dass es sich bei den von den Familienangehörigen auf Bildschirmen verfolgten Feuerbestattungen oftmals um vorgefertigte Videoaufnahmen gehandelt haben soll.

Nach jahrelangen Ermittlungen schlugen die Beamten der Nationalpolizei und der Finanzbehörde zu. Sie nahmen 15 Führungskräfte bzw. Angestellte des Bestattungsunternehmens fest und beschlagnahmten diverses Material in der Trauerhalle des Unternehmens auf dem Friedhof El Carmen in Valladolid. Auch die Büros wurden durchsucht, ebenso die Wohnhäuser einiger der Beteiligten. Dort wurde eine Million Euro in bar sichergestellt.

Bis zu 6.000 Fälle

Das Unternehmen soll in bis zu 6.000 Fällen den von den Familienangehörigen des Verstorbenen bezahlten Sarg heimlich erneut verkauft haben. Damit machte das Bestattungsunternehmen das große Geschäft, schließlich handelt es sich um Särge mit Preisen zwischen 600 Euro und 4.000 Euro, nicht selten um den teuersten Kostenpunkt bei der Bestattung. Tatsächlich soll bei der Feuer1bestattung ein weitaus billigeres Modell oder teilweise sogar nur ein Sargdeckel verwendet worden sein.

Den 15 Verhafteten wird „ein fortgesetzter Betrug und Dokumentenfälschung, Steuerhinterziehung, Geldwäsche und Zugehörigkeit zu einer kriminellen Organisation“ vorgeworfen. Als Hauptverdächtige gelten die beiden Eigentümer, ein Vater und sein Sohn.

Das 1985 gegründete Familienunternehmen, das auch Gemeindefriedhöfe verwaltet, beschäftigt 70 Angestellte.

Die Ermittlungen wurden bereits vor zwei Jahren aufgenommen, als die Eigentümer einen ihrer Angestellten wegen „Erpressung“ anzeigten. Der hatte Beweise über die betrügerischen Methoden des Unternehmens gesammelt.

Nach dem Zugriff der Behörden gab es einen wahren Ansturm auf die Verbraucherzentrale von Kastilien und León. Aufgrund der hohen Zahl betroffener Familien musste sogar ein spezielles Reklamationsformular angefertigt werden.

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