Stiller Protest der Obdachlosen


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In den größten Städten forderten Hunderte mehr Rechte

Die schwere Wirtschaftskrise hat vielen Menschen in Spanien alles genommen und dafür gesorgt, dass sie auf der Straße leben.

Madrid – Am 24. November organisierten Caritas und der Verband Obdachlose unterstützender Hilfsorganisationen (FACIAM) in den größten Städten Versammlungen, um ihre Bürgerrechte und mehr staatliche Unterstützung einzufordern.

In Madrid versammelten sich rund 200 Menschen auf der Plaza de la Ópera. Wie auch in allen anderen Städten trugen sie weiße Masken und forderten auf Plakaten die Bürgerrechte der Obdachlosen ein. Der aus Cádiz stammende, 40-jährige Miguel Ángel, der seinen Arbeitsplatz verlor, alle Hilfen ausschöpfte und sich glücklich schätzt, im Caritas-Heim untergekommen zu sein, verlas ein Manifest: „Ohne eine adäquate Hilfe ist es unmöglich, von der Straße wegzukommen.“ Ángel klagte an, dass die Obdachlosen auf immense Schwierigkeiten stießen, um sich in einer Gemeinde anzumelden. Doch ohne gemeldeten Wohnsitz gäbe es keinen Zugang zu Umschulung oder Weiterbildung. Man könne weder wählen noch bekäme man eine Krankenversicherungskarte.

Sonia Olea, Nationalbeauftragte für Obdachlose der Caritas, forderte: „Die Sozialdienste sollten mit mehr Mitteln ausgestattet werden, um genügend Plätze in den Obdachlosenheimen zu schaffen, gesundheitliche Versorgung zu garantieren und bei Ausbildung und Arbeitsplatzsuche helfen zu können. Denn: Ohne eine umfassende und andauernde Hilfeleistung ist es unmöglich, voranzukommen.“

Caritas und FACIAM prangerten an, dass sich während der letzten Jahre nichts getan hätte. Aufgrund der Krise wäre alles nur schlimmer geworden.

Rosalía Portela, Präsidentin von FACIAM, erklärte, rund 30.000 Menschen lebten in Spanien auf der Straße. Und viele weitere befänden sich in der Gefahr, ebenfalls abzurutschen. In diesem Jahr würden 13.700 Menschen in Obdachlosenheimen unterkommen, 15% mehr als 2010.

Olea fügte hinzu, es gäbe immer mehr Menschen ohne Arbeit und Unterstützung, die zu Familien oder Freunden flüchteten. Die meisten, denen nichts anderes übrigbliebe, als auf der Straße zu leben, seien Männer, obwohl auch der Anteil der Frauen stetig wachse. Es handele sich um Erwachsene, doch auch immer mehr Jugendliche seien darunter. Viele Immigranten, aber auch immer mehr Spanier sind betroffern.




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