Stierkampf soll zum Immateriellen Kulturerbe erklärt werden


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Zwischen Traditionspflege und Abschaffung

Spaniens Tierschützer mussten dieser Tage gleich zwei herbe Rückschläge hinnehmen, denn der Versuch, ein Verbot der Stierhatz, die alljährlich unter dem Namen „Toro de la Vega“ im Städtchen Tordesillas in Nordkastilien stattfindet, durchzusetzen scheiterte. Obendrein will der Kongress die umstrittene Stierkampftradition im Ganzen sogar zum Immateriellen Kulturerbe erklären lassen. Das Turnier „Toro de la Vega“ ist „eine der schlimmsten Grausamkeiten Spaniens.

Sevilla/Madrid – Unter dem Deckmantel dessen, was manche hochtrabend Tradition nennen, erlaubt es, dass mehr als 100 Lanzenträger und -reiter das Tier durch die Felder hetzen und ihm Lanzenstiche versetzen, bis es, blutüberströmt und durchsiebt, kraftlos zusammenbricht. Dann geben sie ihm den Todesstoß, wie es im gemeinsamen Antrag der Izquierda Plural, eines Zusammenschlusses mehrerer linker und grüner Parteien, und der sozialistischen PSOE heißt. Dieser Versuch, ein Gesetzgebungsverfahren zur Vermeidung von Tierquälerei im Rahmen von Shows und Feierlichkeiten zu initiieren, wurde durch die Mehrheit der Konservativen PP im Landwirtschaftsausschuss des Kongresses vereitelt.

Im Madrider Kongress wurden durch die regierende PP letzte Änderungsanträge zu einem Volksgesetzgebungsverfahren eingebracht, durch welches der Stierkampf zum Kulturerbe erklärt werden soll. Der Zusatz „immateriell“ soll noch aufgenommen werden, denn dadurch erhält der Staat klarere Kompetenzen in der Sache und kann so besser gegen das schon bestehende Stierkampf-Verbot in Katalonien vorgehen.

Kultusminister Wert versuchte zwischen den Parteien zu vermitteln, indem er betonte, die Stierkampfkunst sei nicht eine Angelegenheit von rechts oder links, und die verschiedenen  Positionen nicht unvereinbar. Darüber hinaus betonte er die wirtschaftliche und touristische Bedeutung des Stierkampfes.




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