Standort für atomares Endlager steht fest


© EFE

Nach sieben Jahren ist die Entscheidung auf Villar de Cañas gefallen

Als am 30. Dezember die neue Regierung das härteste Sparmaßnahmenpaket der spanischen Geschichte verkündete, ging eine weitere, am selben Tag getroffene Entscheidung fast unter: die Wahl des Dorfes Villar de Cañas als Standort des atomaren Endlagers.

Madrid – Bislang wird der Atommüll in den Kühlbecken der jeweiligen Reaktoren gelagert oder in französische Endlager transportiert, wofür die Franzosen seit 1. Januar 2011 rund 60.000 Euro täglich bzw. 21,9 Millionen Euro im Jahr kassieren.

Bereits vor sieben Jahren forderte das Abgeordnetenhaus einstimmig die damalige Regierung auf, ein zentrales Endlager für den Atommüll der zehn spanischen Reaktoren zu schaffen. Nachdem der Staat versprochen hatte, der Gemeinde, die schlussendlich den Zuschlag bekommen würde, 12 Millionen Euro jährlich zu zahlen, 500 Arbeitsplätze zu schaffen sowie Infrastrukturen und ein Forschungszentrum zu bauen, hatten sich bis zum Bewerbungsschluss Ende Januar 2010 elf Kandidaten bei der zuständigen Kommission beworben. Nach ausgiebigen Untersuchungen und Vorentscheidungen standen im September 2010 noch vier Hauptkandidaten auf der Liste: an erster Stelle Zarra (Valencia), gefolgt von Ascó (Katalonien), Yebra und Villar de Cañas (beide Kastilien-La Mancha).

Doch entweder aus wahlstrategischen, parteiinternen oder anderen politischen Gründen, sprachen sich die zuständigen regionalen Präsidenten gegen das Atommülllager in ihrer Region aus, sodass am Schluss nur noch Villar de Cañas übrig blieb. Zudem hatte dessen Stadtverwaltung bekanntgegeben, im Fall der Auswahl auf die Hälfte des vom Staat versprochenen Geldes verzichten zu wollen.

Als Vizepräsidentin Soraya Sáenz de Santamaría am 30. Dezember verkündete, die Entscheidung sei auf Villar de Cañas gefallen, brach in dem 436-Seelen-Örtchen Jubel aus, denn das Dorf ist geprägt von Arbeitslosigkeit und Abwanderung.

Wie die Zeitung ABC berichtet, soll Spaniens zentrales Atommülllager in einem Trockengebiet außerhalb des 135 km südöstlich von Madrid gelegenen Dorfes errichtet werden. Nach fünf Jahren Bauzeit soll das erste von drei erdbeben-, explosions- und überflutungssicheren Lagergebäuden stehen, die auch Flugzeugabstürzen standhalten können. Für den gesamten Bau wurden 14 Jahre und 700 Millionen Euro veranschlagt, Geld, das seit Jahren von der Stromrechnung abgezweigt und in einem Fonds des staatlichen Unternehmens Enresa gesammelt wird.




Über Wochenblatt

Das Wochenblatt erscheint 14-tägig mit aktuellen Meldungen von den Kanaren und dem spanischen Festland. Das Wochenblatt gilt seit nunmehr 36 Jahren als unbestrittener Marktführer der deutschsprachigen Printmedien auf den Kanarischen Inseln.