Staatsakt zum Gedenken an Miguel Ángel Blanco

König Felipe und andere Persönlichkeiten füllten ein Beet vor dem Denkmal für die Opfer des Terrorismus mit roten Rosen. Foto: Casa de S.M. El Rey

König Felipe und andere Persönlichkeiten füllten ein Beet vor dem Denkmal für die Opfer des Terrorismus mit roten Rosen. Foto: Casa de S.M. El Rey

Spanien beging den 25. Jahrestag des ETA-Mordes an einen Lokalpolitiker von Ermua

Ermua – In Anwesenheit von König Felipe, Präsident Sánchez, PP-Chef Núñez Feijóo, dem Regionalpräsidenten des Baskenlandes, Iñigo Urkullu, der Schwester des Ermordeten, María Mar Blanco sowie zahlreicher nationaler und regionaler politischer Persönlichkeiten, fand in der Sporthalle, die seinen Namen trägt, am Sonntag, dem 10. Juli, eine Gedenkfeier für Miguel Ángel Blanco statt. Vertreter von Vox nahmen nicht teil, und Ex-Präsident José María Aznar, der während der schrecklichen Ereignisse Spaniens Regierungschef war, hatte tags zuvor an einer Feier teilgenommen, welche die PP organisiert hatte. Auch zahlreiche Bürger versammelten sich an diesem Wochenende, um den ehemaligen baskischen Stadtverordneten zu ehren, der von der Terrororganisation ETA getötet wurde.

Blancos Entführung und nachfolgende Ermordung erschütterte das ganz Land und gilt als Wendepunkt in der Wahrnehmung der baskischen Bevölkerung im Kampf gegen die ETA-Terroristen. Der damals 29 Jahre alte Stadtrat der konservativen Partido Popular wurde am 10. Juli 1997 von ETA entführt, welche die Regierung aufforderte, alle Gefangenen der ETA, die in verschiedenen Gefängnissen in Spanien inhaftierte waren, in 48 Stunden in das nördliche Baskenland zu überführen. Die Regierung lehnte diesen Erpressungsversuch ab, und Tausende gingen in Spanien mit der Forderung auf die Straße, Miguel Ángel Blanco freizulassen. Doch die Terroristen machten ihre Drohung wahr, sie richteten ihn mit einem Kopfschuss hin und ließen den Toten in einem Waldstück zurück.

Als sich ETA 2018 nach vier Jahrzehnten mit Mord und Terror auflöste, nachdem sie einige Jahre zuvor bereits offiziell die Waffen niedergelegt hatte, wies ihre schreckliche Bilanz 829 Todesopfer und eine große Zahl von Verletzten sowie enorme materielle Schäden auf.

In seiner Ansprache rief König Felipe zur Einheit und zum sogenannten „Spirit of Ermua“ auf, um an die Werte Frieden, Leben, Freiheit und Demokratie zu erinnern. Wörtlich rief er seinen Zuhörern zu, „wir können es nicht zulassen, dass es Generationen gibt, die nicht wissen, was damals, 1997, an diesen schrecklichen Tagen, geschah.

Regierungschef Sánchez kündigte seinerseits an, dass spanische Studenten direkten Zugang zu Zeugenaussagen von Opfern erhalten können, um ihnen zu ermöglichen, die historischen Ereignisse zu begreifen.

Der Geist von Ermua, der nach der Entführung und Ermordung des PP-Stadtrates Miguel Ángel Blanco 1997 herrschte, und die gesamte spanische Gesellschaft gegen die Schreckensherrschaft von ETA aufrüttelte, kehrte bei dem institutionellen Akt in Ermua (Vizcaya) für einige Stunden zurück. Die Person des ermordeten baskischen Stadtrates und die Erinnerung an die Opfer des Terrorismus hat die Einheit der Bürger, die sie vor 25 Jahren an den Tag gelegt hatten, für einige Stunden wieder aufleuchten lassen.

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