Spendenflut

Foto: EFE/Mariscal

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Eine Spendenaktion für die Menschen in Erstaufnahmelagern in Rota bei Cádiz hat ungeahnte Ausmaße angenommen

Cádiz – „Man kann diese Menschen, die praktisch ohne alles hier angekommen sind, doch nicht einfach so dort unterbringen“, hatte eine Bürgerin der Gemeinde Rota gedacht und mit einer WhatsApp-Nachricht ihre Freunde und Bekannten aufgefordert, Kinderkleidung, Spielzeug, Hygieneartikel etc. zu spenden. Bereits am Nachmittag war ihre Garage voll mit Kartons und Paketen, und wenig später musste in der Kirche Raum für weitere Spenden geschaffen werden, die ununterbrochen eintrafen.

Die ersten 800 Personen, meist ganze Familien, waren am 27. August dort angekommen, doch ihre Gesamtzahl erhöhte sich in den folgenden Tagen auf insgesamt 4.000, die in Rota und in Morón de la Frontera bei Sevilla Aufnahme gefunden haben. Alle sind Ortskräfte mit ihren Familien, die für das US-Militär bzw. die amerikanische Regierung gearbeitet haben.

Drei hohe Stacheldrahtzäune trennen den 2.400 Hektar umfassenden Marinestützpunkt, der zu seinem größten Teil von der US-Marine belegt ist, von der Ortschaft. Dort erfahren die Menschen kaum etwas davon, was hinter dem Zaun vor sich geht. „Es ist wie eine Parallelwelt“, erklärt der Bürgermeister des Ortes. Das hat die 29.200 Einwohner von Rota, oder zumindest einen Teil von ihnen, nicht davon abgehalten, eine spontane humanitäre Aktion für die Menschen zu starten, die sie wahrscheinlich niemals kennenlernen werden, da sie sich maximal 15 Tage bis zu ihrer Umsiedlung dort aufhalten werden.

Juan Antonio Martín von der Kirchengemeinde kümmert sich um die Weiterleitung der Spenden. Hilfsangebote kommen inzwischen auch aus der weiteren Umgebung wie Zaragoza oder Sevilla. „Die Hilfsbereitschaft ist einfach unglaublich“, erklärt Martín, dessen Sohn und Tochter mit dem Auto die Kartons mit den Spenden verteilen, während fünfzig Decken von einem Hotel angeliefert werden. Eine Spedition hat inzwischen das Angebot gemacht, einen Lieferwagen zur Verfügung zu stellen. Angehörige der Basis hätten sich als freiwillige Helfer angeboten, um die Spenden innerhalb der Anlage an die evakuierten Menschen zu verteilen und Listen anzufertigen, was konkret gebraucht wird. Die Initiatorin der Spendenaktion kann noch immer nicht fassen, welche Reaktion ihr Spendenaufruf ausgelöst hat. In den Räumen der Kirche fehlte es an Händen, um die Spenden zu sortieren und zu verpacken, berichtet sie einer Zeitung. Ihr kleiner Sohn habe sich sogar von seinem Lieblings-T-Shirt getrennt, als sie ihm erzählte, dass dort Kinder angekommen sind, die weder Kleidung noch Spielzeug haben.

Der Kommandant der Basis, David Baird, sei zutiefst berührt und beeindruckt von dieser Reaktion der örtlichen Bevölkerung, hieß es in einer Verlautbarung der US-Marine.

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