Spanische Justiz sucht nach Besitztümern Obiangs


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Der afrikanische Diktator investiert in Spanien

Äquatorial-Guinea ist einer der kleinsten Staaten Afrikas. Nominell ist die ehemalige spanische Kolonie eine Demokratie, de facto regiert seit einem Staatsstreich im Jahr 1979 der Präsident Teodoro Obiang Nguema Mbasogo wie ein Diktator und lässt sich ab und zu durch vermutlich gefälschte Wahlen mit über 99% im Amt bestätigen.

Madrid – Die politische Opposition wird verfolgt, etwa 40.000 der 500.000 Einwohner leben als Flüchtlinge in Spanien. Das kleine Land hat hohe Einkünfte aus dem Erdölexport, die jedoch nicht dem Volk zugute kommen. Die Infrastruktur ist miserabel, staatliche Schulen gibt es nicht, und die Analphabetenquote liegt bei 80 %. Präsident Obiang hingegen wird vom US-Magazin Forbes als einer der reichsten Männer der Welt bezeichnet. Sein dem Land gestohlenes Vermögen hat er weltweit investiert, unter anderem auch in Spanien.

Geld von der Ölexportgesellschaft

Die spanische Justiz untersucht derzeit mehrere Besitztümer, die in Verdacht stehen, Geldwäscheobjekte Obiangs zu sein. Darunter sind zwei Wohnungen in Madrid, die auf die Namen von Obiangs Sohn Gabriel und seiner Schwiegertochter Virginia Esther Maye Mba eingetragen sind. Außerdem wird das auf den Kanaren lebende russische Ehepaar Wladimir und Julia Kokorew verdächtigt, eine wichtige Rolle beim Transfer von Schwarzgeldern des Präsidenten gespielt zu haben. Es geht um mehrere Überweisungen zwischen 2000 und 2003 im Gesamtwert von 26,5 Millionen Dollar. Das Büro zur „Vorbeugung von Kapitalwäsche“ der Spanischen Zentralbank hat herausgefunden, dass das Geld von der Ölexportgesellschaft Äquatorial-Guineas stammt und auf die Riggs-Bank in Washington überwiesen wurde, wie die US-Behörden mitgeteilt hatten. Letztere hatten 2003 sämtliche Konten Obiangs auf dieser Bank sperren lassen, das Geld war aber über Umwege schon weiter unterwegs und tauchte auf einem Konto der Banco de Santander in Las Palmas wieder auf, das auf die panamesische Firma „Kalunga Company“ lief, die wiederum von dem Ehepaar Kokorew kontrolliert wird. Von dort gingen größere Summen an Familienmitglieder Obiangs, so etwa an dessen Neffen und den Schwiegersohn, die zusammen 2,1 Millionen Dollar erhielten.

Ehemaliger Funktionär der Sowjetunion

Der 56jährige Geschichtsprofessor Wladimir Kokorew wurde nach diesen Überweisungen befragt und gab an, es habe sich um ein Darlehen für den Bau eines Hauses gehandelt. Er gab zu, in seiner Eigenschaft als ehemaliger Funktionär der Sowjetunion, als er „Assessor der internationalen Abteilung der kommunistischen Partei“ war, Präsident Obiang  kennengelernt zu haben. Die auf seinem Konto eingegangenen Gelder stammten laut Kokorew aus verschiedenen Seefrachtgeschäften, die er im Auftrag verschiedener Firmen zwischen Panama, Äquatorial-Guinea und den Kanaren durchführte.

Die Untersuchungen der Justiz über die Verwicklungen Obiangs, die von  Staatsanwalt Antonio Salinas geleitet werden, waren durch eine Anzeige der „Spanischen Vereinigung für Menschenrechte“ gegen den Präsidenten und einige seiner Minister ausgelöst worden.




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