Spanische Fußballclubs schulden dem Fiskus 752 Millionen Euro


150 Millionen Euro mehr als vor vier Jahren

752 Millionen Euro, das ist die unglaubliche Summe, mit welcher die spanischen Berufsfußball-Clubs am 1. Januar 2012 beim Finanzamt in der Kreide standen.

Die Vereine der ersten Liga schulden konkret 489.93 Millionen Euro, der zweiten Liga 184.18 Millionen und die restlichen Kategorien insgesamt 78.18 Millionen Euro. Diese Daten hat die Regierung auf Anfrage der Fraktion der Izquierda Unida – Vereinigte Linke – kürzlich bekannt gegeben. Zu diesem Betrag müssen noch die rückständigen Beiträge zur Sozialversicherung hinzugerechnet werden, über deren Höhe die zuständigen Stellen beharrlich schweigen.

Seit Beginn der Wirtschaftskrise in 2008 sind die Steuerschulden der Fußballvereine ständig angewachsen, um sage und schreibe 150 Millionen Euro. In einer Pressemitteilung erinnerte IU daran, dass in der vergangenen Legislaturperiode ihr Abgeordneter Gaspar Llamazares eine entsprechende Anfrage über die Schulden der Clubs an die Regierung Zapatero gerichtet hatte. Damals wurde ihm eine überschlägig kalkulierte Summe von 607 Millionen Euro zum 30. April 2008 genannt. Auch da war es ihm nicht gelungen, eine Auskunft über die Höhe der geschuldeten Sozialversicherungsbeiträge zu erhalten. „Die öffentliche Verwaltung hat sich immer quergestellt, wenn es darum ging, die Schulden der einzelnen Vereine bekannt zu machen“ heißt es in dem Bericht von IU weiter. In einigen Fällen, wie beispielsweise bei Atlético Madrid,  ist die geschuldete Summe bekannt, weil sie der Jahresbilanz des Clubs zu entnehmen war. Am 31. Dezember 2011 waren es 215 Millionen. 72,2 Millionen kurzfristige Schulden von weniger als einem Jahr, während 142 Millionen Euro sich seit langer Zeit angesammelt haben.

José María Gay, Dozent an der Universität von Barcelona, hat ausgerechnet, dass die spanischen Clubs zum 30. Juni 2010 Gesamtschulden von mehr als vier Milliarden Euro hatten. Mehr als 3,4 Milliarden Euro entfielen allein auf die Clubs der ersten Liga.

Die Reaktionen der wichtigsten politischen Parteien auf dieses Panorama haben nicht auf sich warten lassen. Der Sprecher der Regierungspartei PP, Estéban González Pons, bezeichnet diese enorme Schuldensumme als nicht tolerierbar und forderte, dass die Clubs schnellstens ihren Verpflichtungen nachkommen. Der Staatssekretär für Sport, Miguel Cardenal, kündigte an, dass in Kürze eine Formel bekannt gegeben werde, wie die Vereine ihre Schulden abtragen könnten. Mehr könne er darüber aber noch nicht sagen.

Augenblicklich befinden sich zwölf Vereine der ersten und zweiten Liga in Konkursverfahren:

1. spanische Liga:

Racing

Rayo Vallecano

Zaragoza

Mallorca

Betis

Granada

2. spanische Liga

Hércules

Cádiz

Albacete

Recreativo

Xerez

Córdoba




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