Spanisch-marokkanischer Gipfel in Sevilla


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Die Präsidenten der Kanaren und Andalusiens nahmen ebenfalls teil

Die Regierungen Spaniens und Marokkos gingen bei ihrem Gipfeltreffen, das Ende September in Sevilla stattfand, sozusagen auf Zehenspitzen über den Westsahara-Konflikt hinweg. Nur sieben Zeilen wurden diesem Thema in dem 14-seitigen gemeinsamen Abschlussbericht gewidmet. Beide Regierungschefs bekräftigten ihre diesbezüglichen Positionen und betonten ihren Wunsch, eine gerechte politische Lösung im Sinne der Vereinten Nationen zu finden.

Sevilla – An dem Treffen nahmen neben den Präsidenten  José Luis Zapatero und Driss Jettou auch die spanische Vizepräsidentin sowie die Außen-, Justiz-, Innen-, Arbeits-, Entwicklungs- und Kultusminister beider Länder teil. Derartig große Begleitergruppen hatte es bei vorangegangenen Treffen nicht gegeben.

Vertrauen und Harmonie

Sprecher beider Regierungen wiesen auf das große Interesse an guten Beziehungen mit dem Nachbarn hin. Man habe die freundschaftlichen Bande in einem Klima von Vertrauen und Harmonie noch enger geknüpft und die Zusammenarbeit bei der Terroristenbekämpfung, in Wirtschaft und Kultur verstärkt.

Über ein Thema ist der spanischen Delegation jedoch keine Einigung gelungen: Die gemeinsame Finanzierung eines Zentrums für Minderjährige in Marokko, um jugendliche Immigranten zurückführen zu können, die mit Hilfe der Mafias nach Spanien eingeschleust werden. Eine Entscheidung musste auf ein späteres Treffen verschoben werden.

Kanaren und Andalusien fordern mehr Kooperation von Marokko

Die Präsidenten der Kanarischen Inseln und Andalusiens, Adán Martín und Manuel Chaves, die ebenfalls an dem Gipfeltreffen teilnahmen, forderten in einer gemeinsamen Stellungnahme die marokkanische Regierung auf, durch ständige Kontrollen der illegalen Immigration Einhalt zu gebieten.

„Nur die permanente Überwachung der Menschenhändler-Mafias verhindert, dass das Meer, das uns vereint, zu einem Unterwasser-Friedhof wird“, warnte Chaves eindringlich vor einer Tragödie, die unaufhaltsam scheint.

Gleichzeitig verwiesen sie auf ein besonders schwerwiegendes Problem, das sowohl die kanarische Region als auch Andalusien zu lösen hat: die ständig wachsende Zahl der minderjährigen Immigranten. Hier müsse schnell und effektiv gehandelt werden.

„Wir alle wissen, dass eine definitive Lösung des Immigrantenproblems in einer besseren wirtschaftlichen Entwicklung der Heimatländer begründet liegt“, zeigte er an anderer Stelle auf.

Chaves und Martín unterstrichen die außerordentlich guten Beziehungen zwischen Marokko und den beiden spanischen Nachbar-Regionen, die inzwischen auf politischer und zwischenmenschlicher Ebene existieren. Zeichen dafür sind die zahlreichen Besuche, die der Präsident Andalusiens und die verschiedenen kanarischen Präsidenten Marokko abgestattet haben.

Mehr Zusammenarbeit zwischen den beiden  Autonomien

Bereits vor dem Gipfeltreffen hatten Martín und Chaves Gespräche über ein gemeinsames Vorgehen bei Problemen geführt, die beide Regionen betreffen. Das bezieht sich vor allem auf die illegale Immigration, denn beide sind sozusagen die Außengrenze Europas und haben gemeinsame Grenzen mit Marokko.

Adán Martín setzte sich ebenfalls für Kooperations-Programme mit Marokko ein und begrüßte den Vorschlag des andalusischen Präsidenten, sich regelmäßig zum Gedankenaustausch zu treffen. Gleichzeitig dankte er dem spanischen Regierungschef Zapatero dafür, dass er ihm und Manuel Chaves die Teilnahme am Gipfeltreffen ermöglicht hat, um die gemeinsame Problematik vorzutragen.

Casa de África

Auch er betrachtet die Zusammenarbeit im Thema „Jugendliche Immigranten“ als vordringlich. „Wir allein sind nicht in der Lage, damit fertig zu werden. Daher ist ein gemeinsames Vorgehen besonders wichtig. Mit Unterstützung des Außenministeriums könnten wir das Problem in den Griff bekommen.“

Martín kündigte an, dass auf dem kanarischen Archipel demnächst die „Casa de África“, also das Afrikanische Haus, eröffnet wird und dankte dem Außenministerium für die tatkräftige Unterstützung. Der Regierung Andalusiens bot er diese Einrichtung als Brücke für die Beziehungen mit Afrika an.




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