Spaniens Regierung spricht erstmalig von Krise


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„Das Wirtschaftswachstum wird in diesem Jahr bei unter 2% liegen“

„Warum wird von Abschwung gesprochen, wenn doch eigentlich Krise gemeint ist?“ fragen sich seit vielen Wochen die spanischen Medien. Gemeint ist die beharrliche Strategie, die die sozialdemokratische Regierung bislang verfolgte, um in der Öffentlichkeit im Hinblick auf die Finanz- und Wirtschaftskrise eben das Wort „Krise“ zu vermeiden.

Madrid – Dabei legten die Regierungssprecher sogar eine ungeahnte Phantasie und Wortgewandtheit an den Tag. Nun jedoch entschied sich Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero endlich dazu, Klartext zu reden. Im spanischen Beratungsgremium für Wirtschaft und Soziales nannte er am 18. Juni erstmalig die Dinge beim Namen und wartete mit einem 21-Maßnahmen-Katalog auf, durch den der Krise die Stirn geboten werden soll.

Allen voran wird die öffentliche Verwaltung ihre Ausgaben drastisch senken. Und zwar nicht nur, indem die Gehälter von Zapatero selbst sowie die sämtlicher hoher Beamter vorerst eingefroren werden, sondern auch durch eine Reduzierung der öffentlichen Arbeitsstellen um 30%. Auf dem privaten Sektor setzt die Regierung verstärkt auf die Liberalisierung und schlägt unter anderem die partielle Privatisierung der Flughäfen vor.

Warnung an die Banken

Des Weiteren sprach Zapatero eine Warnung in Richtung Banken aus. Er hoffe, dass die Verschärfung der Bedingungen zur Kreditgewährung nicht zur Bremsung des Wirtschaftswachstums führe. In Anlehnung an den Teufelskreis „Weniger Kredit bedeutet auch weniger Konsum und mehr Krise“ solle das Bankwesen trotz aller Schwierigkeiten der Kreditvergabe nicht den Hahn zudrehen, wurden seine Worte im Nachhinein übersetzt.

Spanien hat neben den Auswirkungen der internationalen Finanzkrise und der explodierenden Ölpreise auch mit nationalen Problemen, nämlich dem unerwartet schnell aufgetretenen Zusammenbruch des Immobilien- und Baumarktes, zu kämpfen.

Das Wirtschaftswachstum werde dieses Jahr bei unter 2% liegen, gab der Ministerpräsident zu und sagte erst für das zweite Halbjahr 2009 eine leichte Verbesserung voraus.




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