Spaniens neuer König Felipe VI. trat sein Amt an


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Er ist Europas jüngster Monarch

Mit großem Applaus haben die Spanier ihren neuen König begrüßt, doch Felipe VI. weiß genau, dass viele Bürger die Monarchie inzwischen äußerst kritisch sehen. Er werde für alle Spanier da sein, ihnen Aufmerksamkeit schenken, und er werde versuchen, sie zu verstehen, versprach er dann auch in seiner Antrittsrede. Mit seiner Vereidigung ist für das krisengeplagte Land eine neue Epoche angebrochen. Der Tag der Proklamation hatte in der spanischen Hauptstadt mit der Überreichung der roten Schärpe durch den scheidenden König Juan Carlos an seinen Sohn begonnen.

Madrid – Mit dem seidenen Tuch an seiner Galauniform wurde er der neue Oberbefehlshaber der Spanischen Streitkräfte.

Wie es die parlamentarische Monarchie verlangt, war die erste Station des neuen Königs das Parlament. Bei seiner Proklamation konnte Felipe VI. die Krone aus vergoldetem Silber, die auf einem Samtkissen ruhte, nicht aufsetzen, weil sie dafür nicht vorgesehen ist, sondern nur Symbolcharakter hat. Das wichtigste Requisit war vielmehr die Verfassung, auf die der König seinen Eid ablegte. Ganz bewusst war auf jegliche religiöse Symbolik verzichtet worden – kein Kruzifix und auch kein Gottesdienst in der Kathedrale im Anschluss an die Zeremonie.

Hatte König Juan Carlos vor fast vierzig Jahren geschworen, der König aller Spanier zu sein, so möchte sein Sohn und Nachfolger Felipe, wie er in seiner Antrittsrede unterstrich, König eines Landes in Einheit und Vielfalt sein. Die wichtigsten Worte, die er in seiner Rede immer wieder betonte, waren: politische Neutralität, vorbildliches Verhalten – mit einem Seitenhieb auf die Korruption – mehr Nähe zum Volk und Solidarität mit den Arbeitslosen, Respekt und Achtung für die Opfer des Terrorismus und vor allem mehr nationaler Zusammenhalt. Für die Unterstützung aller Bürger bedankte er sich im Voraus mit dem Wort Danke in den vier offiziellen Sprachen des Landes – Spanisch, Katalanisch, Baskisch und Galicisch.

Nachdem er mit militärischen Ehren vor dem Parlament verabschiedet worden war, fuhr er zusammen mit Königin Letizia und den beiden kleinen Töchtern Leonor und Sofía im offenen RollsRoyce durch die Straßen Madrids, um das obligatorische Bad in der Menge zu nehmen. Im Palacio Real, dem Königspalast, traf König Felipe dann seinen Vater wieder. Der war der Proklamations-Zeremonie bewusst ferngeblieben, um seinen Sohn voll im Vordergrund stehen zu lassen. Nur die Mutter, Königin Sofía sowie die ältere Schwester Elena hatten der Vereidigung beigewohnt.

Cristina, die jüngere Schwes­ter, der eine Gerichtsverhandlung bevorsteht und deren Ehemann in einen Korruptionsskandal verwickelt ist, war von der Teilnahme ausgeschlossen worden.

Die königliche Familie trat zunächst gemeinsam auf den Balkon, später zeigte sich dann winkend das junge Königspaar mit den beiden Töchtern Leonor und Sofía. Alle wurden von der riesigen Menschenmenge, die sich auf dem Vorplatz und den anliegenden Straßen versammelt hatte, stürmisch gefeiert.

Ein volles Programm

Für das neue Königspaar hat die Arbeit bereits begonnen. Reisen zu den unmittelbaren Nachbarländern Portugal, Marokko und Frankreich stehen auf dem Programm.

Erstes Ziel: der Vatikan

Die erste Auslandsreise als König und Königin von Spanien führte Felipe VI. und Letizia nach Rom. Beim Besuch im Vatikan sprach das Königspaar mit Papst Franziskus unter anderem über die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Spanien.

Doch auch wichtige innenpolitische Aufgaben stehen für den neuen König an. Allem voran der Besuch in Katalonien, wo ihm als „Symbol der nationalen Einheit“, wie es die Verfassung besagt, wohl nicht allzu viel Sympathie entgegengebracht wird. Bekanntlich proben die katalanischen Nationalisten den Aufstand und streben die Unabhängigkeit an. Für November ist eine Volksabstimmung geplant, die jedoch nicht verfassungskonform ist. Genug Sprengstoff also für den jungen König.

Felipe VI. möchte die Institutionen erneuern und vor allem verjüngen. Dafür muss er   die jungen Menschen in Spanien für sich gewinnen, die der Monarchie ablehnend oder zumindest gleichgültig gegenüberstehen.

Zustimmung im Volk

Die Abdankung von König Juan Carlos zugunsten seines 46-jährigen Sohnes wurde von den Bürgern im Allgemeinen positiv aufgenommen. Dabei sind Felipe und seine Mutter Sofía die wichtigsten Sympathieträger im spanischen Königshaus, dessen Ansehen in den letzten Jahren durch mehrere seiner Mitglieder ramponiert wurde. Der neue König hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, das Image wieder aufzupolieren und den Fortbestand der Monarchie zu sichern.

Seine ersten offiziellen Handlungen als Staatschef

Bereits vier Tage nach seiner Proklamation und Vereidigung präsidierte König Felipe seine ersten Audienzen als Staatschef und stürzte sich sozusagen mit voller Kraft in seine Aufgaben. Nach seiner ersten Besprechung mit dem Regierungspräsidenten Mariano Rajoy,  die bereits am Tag nach seiner Proklamation stattfand, empfing er die Repräsentanten der bedeutends­ten Institutionen des Staates – des Abgeordnetenkongresses, des Senats, des Verfassungsgerichts und des Obersten Gerichtshofs.

Beobachter berichteten, dass der junge König seine Aufgaben mit Freude und einem Lächeln erfüllte. Es war ihm anzusehen, dass ihm seine neue Rolle gefällt. Er begrüßte alle Personen freundlich, die sich ihm näherten, um ihm Glückwünsche auszusprechen.

In Begleitung von Königin Letizia nahm er noch eine ganze Reihe von öffentlichen Terminen wahr. Gemeinsam empfingen sie verschiedene Vertreter von Wohltätigkeitsorganisationen und nahmen an einem offiziellen Akt des Militärs und der Guardia Civil teil.

Die Gay- und Lesben-Verbände wurden erstmalig

vom Königspaar empfangen

Neuer König, neue Zeiten, neue Gäste – Der staatliche Verband der Gays, Lesben und Transsexuellen FELGTB und die Stiftung Triángulo, welche die Rechte von Homosexuellen vertreten, freuten sich darüber, dass sie zum ersten Mal vom Staatschef eingeladen wurden.

„Das Königspaar hat uns schon in der ersten Woche nach seiner Amtsübernahme empfangen, während die Vizepräsidentin der spanischen Regierung nicht einmal unsere Anträge auf einen Termin beantwortet hat“, freute sich Boti García, die Präsidentin von FELGTB. Diese Einladung sei eine sehr gute Art und Weise, das Amt zu beginnen, unterstrich sie. Das Königspaar habe eine Botschaft der Normalität und der Integration verbreitet, erklärte der Sprecher von Triángulo, der diese Einladung in den Pardo-Palast als historisch bezeichnete.

An gleicher Stelle hatte General Francisco Franco übrigens 1954 eine Änderung des Gesetzes über Arbeitsscheue und Übeltäter verkündet, um andere gefährliche „Subjekte“ hinzuzufügen, wie Gauner, Zuhälter und Homosexuelle.




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