Spaniens Image hat stark gelitten


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Deutsche schätzen Spanier weniger positiv ein als noch vor 17 Jahren

Seit jeher lieben die Deutschen Spanien, als Ferienziel, als Alterssitz und als Traum vom Aussteigerleben. Die eher lockere, lebensfrohe Art der Südspanier ist für die pflichtbewussten, gestressten Deutschen Therapie, ihre sprichwörtliche Kinderliebe macht den Familienurlaub zum Genuss. Dennoch ist der fahrlässige Umgang mit Schuldzuweisungen und Angstszenarien in der Finanzkrise nicht spurlos an dem Image, das Spanien und die Spanier in Deutschland und der Welt haben, vorübergegangen.

Madrid – Die spanische „Denkfabrik“ Real Instituto Elcano bringt dreimal jährlich ihr Barometer der internationalen öffentlichen Meinung über Spanien heraus. Vergleicht man die jüngste Ausgabe dieses Barometers mit einer Umfrage der Universität Ortega y Gasset aus dem Jahr 1996 zeigt sich, dass sich das Vertrauen der Deutschen in Spanien um den Faktor fünf verringert hat. Noch 1996 hielt nur einer von zehn Deutschen das Land für „wenig vertrauenswürdig“, heute tun dies fünf von zehn. Damit scheint das Wirtschaftswunder, das Spanien noch bis vor wenigen Jahren als Musterknaben unter den seit 2004 beigetretenen EU-Ländern dastehen ließ und manchen sogar dazu hinriss, die Spanier als die „Preußen des Südens“ zu bezeichnen, endgültig begraben und vergessen.

Auch was den Fleiß der Iberer angeht, haben sich die Ansichten der Deutschen nicht sehr schmeichelhaft entwickelt. Sagten noch 1996 zwei von zehn Deutschen, die Spanier seien nicht sehr fleißig, so sind es heute schon vier von zehn, die sie für Müßiggänger halten. Der Prozentsatz der Deutschen, die das Land für schwach halten, stieg von 20% auf 44%. Etwas gesunken ist der Prozentsatz derer, die Spanien für ein traditionelles Land halten, von 85% vor 17 Jahren auf heute 77%. Auch bei der Korruption gibt es wenig Vertrauen. Die Hälfte der deutschen Befragten hielten die Spanier für korrupt, in den anderen Ländern, in denen die Umfrage durchgeführt wurde, Russland, Großbritannien, USA, Mexiko und China, glaubt dies nur ein Drittel der Teilnehmer.

Trotz alledem schneidet Spanien in der Gesamtbewertung recht gut ab. Auf einer Benotungsskala von 0 bis 10 Punkten gab es bei der aktuellen Umfrage aus Deutschland 6,1 Punkte, dagegen musste sich Griechenland mit 4,6 Punkten zufriedengeben.

Regierungschef Rajoy und die spanischen Politiker im allgemeinen kommen mit 5,3 und 5,2 von 10 Punkten ebenfalls relativ gut weg. Die Zukunftsprognosen der Nachbarländer sind jedoch pessimistisch. 36% schätzen, es werde sehr lange dauern, bis Spanien sich von der Krise erholt, 52% glauben an eine mittelfristige Beendigung der Krise und nur 12% erwarten, dass es sehr bald wieder bergauf gehen wird. Satte 62% rechnen damit, dass Spanien sich unter den Rettungsschirm begeben muss, um seine Schwierigkeiten zu überwinden.




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