Spanien will gegen Bankgebühren-Abzocke vorgehen


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Nach strenger EU-Rüge arbeitet die Regierung an entsprechenden Änderungen

Nicht zum ersten Mal, dafür jetzt aber umso entschiedener hat die Europäische Union Spanien angehalten, endlich etwas gegen die Abzocke zu unternehmen, die sich Banken hierzulande im Hinblick auf ihre Bankgebühren erlauben.

Madrid – Nach Italien steht Spanien an zweiter Stelle der EU-Länder mit der geringsten Transparenz in Sachen Bankgebühren.

Die Rüge muss diesmal gewirkt haben, denn in Madrid wird derzeit eilig an einer entsprechenden Anordnung gearbeitet, die Mitte September im Staatsanzeiger veröffentlicht werden soll.

In der Anordnung wird es den Banken zwar weiterhin überlassen, die Höhe ihrer diversen Gebühren selbst zu bestimmen, allerdings werden sowohl Sparkassen als auch alle sonstigen Kreditinstitute künftig verpflichtend dazu angehalten, öffentlich, gut sichtbar und verständlich aufzuschlüsseln, welche Gebühren sie warum und in welcher Höhe erheben. Außerdem müssen sie ihren Kunden jedes Jahr im Januar einen Gebührenauszug zusenden, auf dem alle im vergangenen Jahr gezahlten Gebühren mit Datum, Betrag und Betreff aufgeführt sind. Des Weiteren wird es ein einheitliches Formular für die Beantragung einer Hypothek geben, auf der die Klauseln fett gedruckt bzw. farblich unterlegt stehen müssen, die für den Geldbeutel des potentiellen Kunden besonders riskant sind.

Das derzeit so undurchsichtige System spanischer Finanzinstitute sowie die in den letzten Jahren stetig gestiegenen Gebühren haben zu einer massiven Beschwerdewelle bei den Verbrauchern geführt. Nach einer Untersuchung des spanischen Verbraucherverbandes Ceaccu, sind bestimmte Bankgebühren seit Juni 2010 zwischen 6% und 35,6% gestiegen und eine entsprechende Aufklärung der Kunden hat so gut wie nicht stattgefunden.

Der für die Ceaccu-Studie verantwortliche Mitarbeiter, Fernando López Romano, erklärte in diesem Zusammenhang, die Annahme läge nahe, dass die Banken durch die Anhebung ihrer Gebühren versuchten, ihre Verluste aufgrund rückläufiger Kreditgeschäfte auszugleichen, natürlich ausschließlich auf Kosten der Kun­den. „Was sie auf der einen Seite nicht eintreiben können, versuchen sie anderweitig auszugleichen. Wie erklärt sich das denn, dass jetzt, wo der Geldhahn der Darlehen und Hypotheken deutlich geringer fließt, der Bankensektor weiterhin so hohe Gewinne erzielt? Die einzige Erklärung für derartige Ergebnisse sind unverhältnismäßig hohe Gebühren“, so López Romano wörtlich. Am schlimmsten sei in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass es eine weit verbreitete Praxis sei, die Kunden nicht entsprechend aufzuklären. Es würde frei nach dem Motto gehandelt „Erst wird mal bezahlt, und dann kannst du protestieren“.

Es gehe mit den Gebühren sogar so weit, dass sie teilweise doppelt erhoben werden, beispielsweise eine sehr hohe Gebühr bei Überziehung des Kontos und eine weitere, kleinere, um den Kunden darüber in Kenntnis zu setzen.

In der Verbraucherorganisation Adicae geht man mit der Kritik sogar noch weiter. Hier heißt es unter anderem: „Die Bankgebühren tragen wesentlich dazu bei, den familiären Geldbeutel zu schmälern. Auch wenn wir noch so oft hören, die Krise bezahlen wir alle, ist die Wahrheit doch, die, die sie ausgelöst haben, nämlich die Finanzinstitute, waschen sich die Hände in Unschuld und bürden die Kosten der Krise den Verbrauchern auf.“

Vergleich zwischen Juli 2010 und Juli 2011

Erhöhung der Bankgebühren

Die Spanische Nationalbank hat die neuesten Daten zur Höhe der Gebühren veröffentlicht, die Banken für die Leistung ihrer finanziellen Dienste (z.B. Kreditvergabe, Karten- und Kontenverwaltung, Überziehung des Kontos) ihren Kunden in Rechnung stellen. Diese haben sich innerhalb eines Jahres deutlich erhöht. Hier ein Überblick über die durchschnittlichen Preise im Juli dieses Jahres und deren Anhebung seit Juli 2010:

Kunden, die eine Hypothek beantragten, zahlten 132 Euro (+27 Euro) für die Überprüfungen und 662 Euro (+72 Euro) für die Eröffnung. Bei anderen Krediten wurden 103 Euro (+16 Euro) für die Überprüfungen und 136 Euro (+23 Euro) für die Eröffnung verlangt.

Die Erst- bzw. Neuvergabe einer Debit- oder Kreditkarte wurde mit 19,89 Euro bzw. 36,93 Euro um mehr als drei Euro teurer. Auch die Verwaltungsgebühr für die Führung eines Giro- oder Sparkontos wurde um ca. vier Euro auf 25,80 Euro bzw. 25,16 Euro angehoben.

Bei Kontoüberziehung wurden 12,72 Euro und somit fast zwei Euro mehr fällig, für die Einforderung der Überziehung 31,93 Euro (+1,17 Euro).

Die Gebühren variieren von Bank zu Bank bzw. Sparkasse. Einige Institute verzichten beispielsweise aufgrund der eigenen Firmenpolitik sogar vollkommen auf deren Erhebung.




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