Spanien kämpft um Teilnahme an Weltfinanzgipfel


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Als achtgrößte Wirtschaftsmacht der Welt habe das Land ein Recht darauf, dabeizusein

Spanien zieht derzeit sämtliche Register, um eine Einladung zum Weltfinanzgipfel zu erhalten, der am 14. und 15. November in Washington stattfinden wird und zu dem neben Vertretern der UNO, des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und des Stabilitätsfonds vor allem die sogenannten G-20-Staaten einberufen sind.

Madrid – Obwohl das Treffen, bei dem die Grundlagen für ein neues internationales Finanzsystem festgelegt werden sollen, auf Initiative des französischen Staatspräsidenten und derzeitigen Vorsitzenden des Europäischen Rates, Nicolás Sarkozy, einberufen wurde, kommt dem Weißen Haus als Gastgeber die Ehre zuteil zu entscheiden, wer letztendlich zu dem Krisentreffen nach Washington geladen wird und wer nicht. Und bislang hat sich die Regierung des scheidenden US-Präsidenten Geoge W. Bush nur gegenteilig dazu geäußert, ob Spanien angesichts seiner vergleichsweise starken Wirtschafts-, Finanz- und Einkommenslage nicht auch auf dem Gipfel vertreten sein sollte.

Spanien will sich auf keinen Fall mit einer Absage zufrieden geben, und so zieht die sozialdemokratische Regierung seit spätestens Mitte Oktober sämtliche diplomatischen Register auf allen nur möglichen Ebenen. Für Regierungschef Zapatero steht fest: „Spanien ist, gemessen am Bruttoinlands­produkt, die achtgrößte Wirtschaftsmacht der Welt und darf nicht zum Schweigen verurteilt werden.“ Ganz abgesehen davon, entspringe der Weltfinanzgipfel einer Idee Europas und nicht der Vereinigten Staaten, weswegen nicht einzusehen sei, dass ausgerechnet das Weiße Haus die alleinige Kontrolle über die Gästeliste haben dürfe.

Während der Ministerpräsident also auf der Suche nach neuen Verbündeten – Sarkozy, Blair und Lula da Silva sind ihm schon so gut wie sicher – geradezu frenetisch von einem internationalen Treffen zum nächsten reist, wurde von Regierungsseite unter anderem Kontakt zum Umfeld der beiden US-Präsidentschaftskandidaten, Barack Obama und John McCain aufgenommen. Da der Gipfel nach den Wah-len angesetzt ist, wird davon ausgegangen, dass der zukünftige US-Präsident bei der Gäs­teliste auch ein Wörtchen mitzureden hat.

Eine wichtige Chance liegt noch in dem für den 7. November von Sarkozy einberufenen außerordentlichen Treffen der EU-Mitgliedsstaaten, das als Vorbereitung für den Weltfinanzgipfel dienen und bei dem eine einheitliche Haltung Europas angesichts der internationalen Banken- und Finanzkrise festgelegt werden soll.

In Brasiliens Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva setzt der spanische Minis­terpräsident José Luis Rodríguez Zapatero all seine Hoffnung. Nach dem 18. Iberoamerikanischen Gipfel Ende Oktober forderte Brasilien, das derzeit den Vorsitz der G-20-Staaten führt, die USA auf, Spanien nach Washington zu laden. Das Anliegen wurde von Felipe Calderón, Michelle Bachelet und Elías Antonio Saca unterstützt.




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