Spanien ignoriert Homöopathie


18.000 Präparate warten auf ihre Zulassung

Schon 1992 erließ die EU eine Verordnung, dass Arzneimittel von den jeweiligen Gesundheitsämtern auf Antrag zu prüfen und, bei bestandener Prüfung, zuzulassen seien.

Madrid – 1995 trat Spanien dieser Vereinbarung bei, und etwa 18.000 homöopathische Präparate warten seither darauf, auch in Spanien zugelassen zu werden. Geschehen ist seither nichts. Während in Deutschland, Frankreich, Holland und Großbritannien solche Produkte zugelassen sind und daher gern genutzt werden, drückt sich die zuständige spanische „Agencia Española del Medicamento“ um ihre Aufgabe, wie Alex Castilla, der spanische Sprecher der ECHAMP (Europäische Koalition für homöopathische und anthroposophische medizinische Produkte), beklagt. Das hat zur Folge, dass solche Produkte zwar erhältlich sind, aber nur außerhalb des staatlichen Gesundheitssystems, das heißt, dass der Patient alles von der Sprechstunde bis zur Therapie privat bezahlen muss. Die Gründe für das Mauern der Behörde liegen zum Teil in den andersartigen Testverfahren. Homöopathie ist immer auf den einzelnen Patienten bezogen und kann daher nicht für große Testgruppen standardisiert werden. Außerdem sind homöopatische Mittel nicht auf bestimmte Symptome bezogen, sondern werden immer in der Gesamtschau des Krankheitsbildes verordnet, so dass die Wirkung bei verschiedenen Patienten völlig unterschiedlich sein kann. Daher kann man, anders als in der Schulmedizin, keine spezifische Indikation auf die Packung schreiben, was von Gegnern der Homöopathie, die das Prinzip nicht verstehen (wollen?), wie dem Arzt Miguel Martínez Falero, so ausgelegt wird: Die Homöopathie verletze „das Recht der Patienten die Art der Behandlung zu wählen, die sie erhalten wollen“. So sehen sich manche Hersteller homöopathischer Komplexmittel gezwungen, wenigstens Angaben wie „bei Grippe“ oder anderen leichten Erkrankungen anzugeben, um dem Verlangen nach klinischen Indikationen Genüge zu tun. Zumindest zeigen homöopathische Medikamente, ganz im Gegensatz zu schulmedizinischen, keine Nebenwirkungen. Das sei ja auch das Mindeste für ein „Placebo“ – meinen die Gegner. Denn schließlich geht es hier um einen Milliardenmarkt an chemischen Mitteln, der angesichts regelmäßiger Skandale über Nebenwirkungen mit zum Teil schweren Folgen an die weniger riskante Naturmedizin verloren zu gehen droht.




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