Spanien erwärmt sich


Das Mittelmeer ist von der globalen Klimaänderung stark betroffen

Spanien ist eines der Länder, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. In den letzten drei Jahrzehnten ist die Durchschnittstemperatur dort um eineinhalb Grad Celsius angestiegen.

Madrid – Damit liegt die Iberische Halbinsel deutlich über den Mittelwerten Gesamteuropas (Erhöhung um 0,9°C) und der Erde im Ganzen (0,8°C). Besonders deutlich ist diese klimatische Veränderung am Rückgang der Niederschläge zu spüren. Verursacht wird der starke Effekt in dieser Region durch die Lage in einem Gebiet, wo sich der klimatische Wandel auf zwei Achsen ereignet: Atlantik-Mittelmeer und Afrika-Europa. Warme Luftmassen aus Afrika, die früher auf den Atlantik hinaus wanderten, ziehen jetzt über das Mittelmeer, welches neben der Arktis das von der Erwärmung am Stärksten betroffene Meer ist. So fasst der aktuell veröffentlichte Bericht des Weltklimarates IPCC die Lage zusammen.

Aida Vila, Klimaexpertin von Greenpeace, moniert, dass Spanien nicht wirklich bemüht sei, die Nutzung fossiler Brennstoffe, die als Hauptursache des Problems gesehen wird, zu reduzieren. Im Gegenteil scheine die kürzlich von der spanischen Regierung verabschiedete Energiereform nach den Wünschen der damit verbundenen Industrien abgefasst und bremse die erneuerbaren Energien, die ihre Wirtschaftlichkeit bereits unter Beweis gestellt hätten.

Spanien hat im vergangenen Jahr die Emissionen von Treibhausgasen um 1,9% reduziert. Dies jedoch nicht aufgrund der politischen Bemühungen, wie Umweltverbände kritisieren, sondern aufgrund der Krise, die zu einer geringeren wirtschaftlichen Aktivität geführt und damit auch Fahrzeuge und Produktionsanlagen stillgelegt hat, sodass deren Anteil an den Emissionen wegfiel.

Der Klimawandel wird in Spanien an verschiedenen Faktoren spürbar. Im Jahrzehnt von 2000 bis 2010 wurden die geringsten Niederschläge seit 1950 registriert. Das Mittelmeer ist einen halben Grad wärmer geworden, das Kantabrische Meer um 0,3 Grad. Die Meereshöhe steigt jährlich um einige Millimeter. Die Gefahr von Waldbränden ist gestiegen. Darüber hinaus gibt es auch Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen. Hitzewellen beeinflussen die Sterblichkeitsrate, beispielsweise wurden für das Jahr 2003 in Spanien 6.500 Todesfälle direkt auf diese Ursache zurückgeführt. Und die Asiatische Tigermücke, die bisher durch Klimabarrieren gestoppt wurde, beginnt sich auch in  Eu­ropa auszubreiten und bringt die Gefährdung durch Gelb- und Denguefieber mit sich. Auch Landwirtschaft und Fischerei spüren erste Auswirkungen. Sie zeigen sich unter anderem durch die Veränderungen des Reifungsprozesses der Weintrauben und die Schädigung der Miesmuschel-Zucht durch Reduzierung des Windes. Durch die Hitzewellen in 2003 entstanden der Landwirtschaft Verluste, die mit 810 Millionen Euro beziffert werden.




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