Späte Einigung


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Atom-Unfall Palomares: Aufräumen nach einem halben Jahrhundert

Fast ein halbes Jahrhundert nach dem Atombomberunfall über Palomares an der Mittelmeerküste, haben sich Spanien und die USA über eine abschließende Dekontaminierungsaktion in dem betroffenen Gebiet verständigt.

Der spanische Außenminister José Manuel Margallo und der US-Staatssekretär John Kerry haben im Oktober eine Absichtserklärung unterzeichnet, in der sie sich verpflichten, sobald wie möglich eine verbindliche Übereinkunft zu schließen. Ziel ist es, radioaktiv belastetes Erdreich aus Palomares zur Endlagerung in ein Wüstengebiet in Nevada zu entsorgen. 

Vor fast 50 Jahren waren am 17. Januar 1966 ein B52-Bomber der US-Streitkräfte mit vier Wasserstoffbomben an Bord und ein Tankflugzeug K-135 bei einem Routine-Betankungsmanöver kollidiert. Die vierköpfige Besatzung der mit rund 150.000 Liter Treibstoff beladenen K-135 starb, doch vier der sieben Besatzungsmitglieder der B52 konnten sich per Schleudersitz retten, ein weiterer starb, weil sein Fallschirm sich nicht öffnete. 

Eine der vier B28RI-Wasserstoffbomben fiel acht Kilometer vor der Küste von Almería ins Meer, die drei anderen gingen in bewohnten Gebieten des 2.000 Einwohner zählenden Gemeindegebietes Palomares nieder. Zwei wurden so schwer beschädigt, dass der enthaltene konventionelle Sprengstoff explodierte und radioaktives Material über rund 170 Hektar Ackerland verteilte. Spanische Fischer retteten drei der Überlebenden  und halfen bei der Auffindung der versunkenen Bombe. Deren Bergung aus 870 Metern Tiefe gelang erst drei Monate nach dem Unfall. Aus Angst vor Spionage waren 33 US-Kriegsschiffe im Einsatz, um die Absturzstelle abzuriegeln. 

Nur knapp entging Südeuropa damals einer nuklearen Katastrophe. Die eingebauten Sicherheitsmechanismen funktionierten jedoch und verhinderten, dass die Wasserstoffbomben durch den Aufprall gezündet wurden. Dennoch kam es zu einer radioaktiven Verseuchung des Gebietes, und obwohl schon damals 1.400 Tonnen kontaminierter Erde abtransportiert und in eine Deponie in den USA verbracht wurden, sind bis heute auf verschiedenen Flächen um Palomares erhöhte radioaktive Werte messbar. 

Damals wurde der Vorfall und das Gefährdungspotenzial durch das Franco-Regime und die USA heruntergespielt. Unvergessen ist bis heute ein demonstratives Bad, dass der damalige Tourismusminister Manuel Fraga Iribarne zusammen mit dem US-Botschafter an der Küste von Palomares nahm, um zu demonstrieren, dass keine Gefahr für Touristen bestehe. 

2004 wurde festgestellt, dass noch immer 660 Hektar Land verunreinigt sind. Dieses wurde daraufhin im Schnellverfahren enteignet und eingezäunt, um die weitere landwirtschaftliche Nutzung und die Bebauung mit Feriensiedlungen zu verhindern. 

Seit die USA ihre ohnehin geringe finanzielle Beteiligung an den Kosten der Verseuchung in Palomares im Jahr 2009 eingestellt haben, verhandelten die beiden Staaten über das weitere Vorgehen. Nun hat man sich geeinigt, nochmals 50.000 Kubikmeter verstrahlter Erde in die USA zu bringen. Laut einer Studie ist diese Menge Boden durch etwa ein halbes Kilogramm Plutonium verseucht. Über die Vorgehensweise und die Aufteilung der Kosten muss jedoch  weiterhin verhandelt werden.




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