Skandalfall „iDental“


Archivbild von Ermittlern bei der Durchsuchung einer iDental-Klinik im Jahr 2018. Foto: EFe

Mehr als 400.000 Patienten mit geringem Einkommen wurden um Behandlung und Geld gebracht

Madrid – Die Ermittlungen im Betrugsfall „iDental“ dauern an. Die Kette zahnmedizinischer Zentren soll über 400.000 Patienten um ihre Behandlung und ihr Geld betrogen haben.

Die Masche der Betrüger war folgende: Die Gruppe bot Personen mit niedrigem bis mittlerem Einkommen zahnmedizinische Behandlungen mit erheblichen Rabatten an. Dabei gab iDental an, diese mit – tatsächlich nicht existenten – öffentlichen Subventionen zu finanzieren. Die Zielgruppe war bewusst ausgewählt worden, denn aufgrund der notwendigen Finanzierung von außen trat iDental als Vermittler von Verbraucherkrediten zwischen den Kunden und Finanzinstituten wie Santander Consumer, BBVA oder Banco Sabadell auf. Auf diese Weise sicherte sich die Gruppe die Bezahlung der Behandlung, ohne selbst ein Risiko einzugehen. Nach Zusage seitens der Banken wurde die komplette Summe direkt an iDental überwiesen. Die Gründer der Gruppe, Vicente Castañer und Antonio Javier García Pellicer, überwiesen das Geld über ein Scheinfirmennetz an sich oder ihre Frauen, Lina S. und Beatriz M., weiter, und zwar insgesamt mehr als 1,3 Millionen Euro. Damit erwarben sie Immobilien, Luxusautos, ein Segelschiff und sogar ein Sportflugzeug.

Im Juli 2017 brach das System zusammen, nachdem den Behandlungszentren über Jahre hinweg die Mittel entzogen und die Zulieferer nicht bezahlt worden waren. Doch dann betrat mit Luis Sans eine neue Figur die Bühne des groß angelegten Betrugs. Dieser erwarb iDental über die Investmentgruppe Weston Hill Capital. Sans war bereits mit Institutos Odontólogicos Asociados in dem Sektor vertreten, wo er eine ähnliche Masche verfolgte, wie die der Gründer von iDental. Tatsächlich wiederholte er das Spiel bei iDental mit einem eigenen Scheinfirmennetz. Im Juni 2018 schlossen die letzten Zentren von iDental.

Im Oktober 2018 wurde nach einer weitreichenden Razzia Sans, im Januar dieses Jahres wurden Castañer und García Pellicer festgenommen. Alle drei befinden sich aktuell in Haft.

Mehr als 400.000 Patienten sollen um ihre Behandlung und ihr Geld betrogen worden sein, Hunderte Mitarbeiter und Zulieferer um ihr Gehalt, ihre Sozialversicherungsbeiträge und ihre Bezahlung.

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