„Seid Eltern und nicht Opfer eurer Kinder“


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Spaniens Lehrer protestieren gegen steigende Gewalt an den Schulen

Hunderte von spanischen Lehrern versammelten sich am 8. November in Barcelona, um gegen die steigende Gewalt an den Schulen zu protestieren. Auf den Plakaten der Demonstranten waren unter anderem Aussagen wie „Wir sind Lehrkräfte und wollen Respekt und Anerkennung“ und „Eltern: Seid Eltern und nicht Opfer eurer Kinder“ zu lesen.

Barcelona – Mit ihrem Prostest wollen die Lehrer jedoch nicht nur auf die immer offensichtlicher werdende Gewalt aufmerksam machen, die an Spaniens Schulen herrscht und immer häufiger auch gegen Lehrkräfte gerichtet ist. Nicht minder wichtig ist es ihnen, Lösungen von der öffentlichen Verwaltung zu fordern, denn bislang sind den Lehrern meist die Hände gebunden, wenn es darum geht, schlagkräftige Schüler zur Rechenschaft zu ziehen.

Zu der Demonstration aufgerufen hatte der Lehrkörper der Schule Eduard Marquina in Barcelona, nachdem die Direktorin, die Studienleiterin und der Portier von der Familie eines Schülers tätlich angegriffen wurden. Glória Zaragoza, die Studienleiterin, wurde vom Vater des Schülers gewürgt, während die Mutter schrie „Töte sie, töte sie“. Doch die Gewaltspirale beschränkt sich längst nicht nur auf diese katalanische Schule. Auch an vielen anderen Bildungszentren anderer Regionen wurde in den letzten Wochen durch verschiedene Aktionen auf das Phänomen aufmerksam gemacht.

Die Problematik ist inzwischen so akut geworden, dass auch auf gerichtlicher Ebene nach Lösungen gesucht wird. Die andalusische Generalstaatsanwaltschaft erklärte sich sogar dazu bereit, Gewalttaten gegen Lehrkräfte nicht mehr als Vergehen, sondern als „Angriff auf die körperliche Unversehrtheit eines Beamten“ einzustufen, wodurch die Fälle auf strafgerichtlichem Weg behandelt werden müssten.

Während die einen jedoch die Hände über dem Kopf zusammen schlagen, mahnen andere Lehrkräfte dazu, die Ruhe zu bewahren. Natürlich gäbe es Fälle gewalttätiger Ausschreitungen an den Schulen, so einer der Demonstrationsteilnehmer, doch werde die Realität derzeit von den Medien hochgespielt. „Die Lage ist nicht so schlimm wie sie auf den ersten Blick aussieht. Man braucht Geduld, Durchsetzungsvermögen und Feingefühl.

Das Problem liegt häufig darin, dass die Eltern im Leben vieler Schüler kaum noch präsent sind.  Wenn man ihnen die Situation ihrer Kinder in der Schule erklärt, antworten sie: „Was können Sie tun?“. Daraufhin müssen wir ihnen antworten, dass wir zwar helfen, im Grunde aber nichts ausrichten können, wenn die Kinder am nächsten Tag einfach nicht zum Unterricht erscheinen.“




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