Sechs spanische UNO-Soldaten bei Bombenanschlag im Libanon getötet


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Mit einem Staatsakt nahm Spanien Abschied von den Opfern

Sechs spanische Soldaten, Angehörige der UNO-Schutztruppe im Libanon (UNIFIL) sind am 24. Juni bei einem Bombenanschlag in der Nähe der libanesisch-israelischen Grenze ums Leben gekommen. Zwei weitere wurden verletzt, sind jedoch außer Lebensgefahr.

Madrid – Nach den ersten Ermittlungen wurde das Attentat – der erste tödliche Anschlag auf Angehörige der UNIFIL-Gruppe seit dem Krieg zwischen der schiitischen Hissbolah und Israel vor knapp einem Jahr – von militanten Islamisten begangen. Konkret wird die palästinensische Extremistengruppe Fatah al Islam hinter dem Bombenanschlag vermutet.

Zwei Tage nach dem Anschlag nahm Spanien im Rahmen eines Staatsaktes von den getöteten Soldaten Abschied. Sie waren zwischen 18 und 21 Jahre alt und drei von ihnen stammten aus Kolumbien. An der Trauerfeier, die in einer Kaserne außerhalb Madrids stattfand, nahmen Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero, Verteidigungsminister José Antonio Alonso sowie andere politische Führungskräfte teil. Erheblich mehr Trost dürfte den Angehörigen jedoch die Anwesenheit von Kronprinz Felipe und Prinzessin Letizia gespendet haben, die in Vertretung des spanischen Königspaares, das sich auf Staatsreise in China befindet, an der Zeremonie teilnahmen. Ebenso wie es die Spanier von König Juan Carlos und Königin Sofía kennen, scheuten auch Prinz Felipe und Prinzessin Letizia keinen Körperkontakt und Gesten des Trostes den trauernden Angehörigen gegenüber, denen sie, selbst tief bewegt, ihr Beileid aussprachen. Der spanische Thronfolger zeichnete die sechs getöteten Soldaten außerdem posthum mit einem militärischen Verdienstkreuz aus.

UNIFIL hat derzeit 12.000 Blauhelme aus 28 Ländern im Libanon stationiert. 1.100 davon kommen aus Spanien, womit das spanische Kontingent zahlenmäßig das drittstärkste nach Italien und Frankreich ist. Verteidigungsminister José Antonio Alonso, der noch am selben Tag in den Libanon gereist war, um an einer ersten Trauerfeier teilzunehmen und die Rückführung der sterblichen Überreste der Soldaten zu beschleunigen, erklärte im Rahmen einer Pressekonferenz, Spanien werde trotz des Anschlags die UNO-Mission im Libanon weiter unterstützen.

Für große Polemik sorgte allerdings die Tatsache, dass der UN-Konvoi, in dem die spanischen Soldaten reisten als der Sprengsatz gezündet wurde, noch nicht mit der Vorrichtung zur „Lahmlegung“ von Bomben-Fernzündern ausgestattet war. Die Ausstattung sämtlicher anderer Konvois, in denen spanische Soldaten fahren, soll nun umgehend beschleunigt werden.

Untersuchung

Parallel dazu hat der spanische Untersuchungsrichter Fernando Grande-Marlaska Ermittlungen eingeleitet und vorerst die Einäscherung der getöteten Soldaten verboten. Außen- und Verteidigungsministerium sind nun dazu aufgefordert, Berichte über den Anschlag vorzulegen. Dies ist dank einer Besonderheit des spanischen Rechts möglich, das der Justiz in besonders schweren Fällen die Strafverfolgung auch dann erlaubt, wenn die Verbrechen im Ausland begangen wurden.




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