Schwiegersohn des Königs in Korruptionsskandal verwickelt?


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Ermittlungen laufen

Anfang November erhärtete sich der Verdacht, dass Iñaki Urdangarín, Ehemann der spanischen Infantin Cristina und Herzog von Palma, in einen Korruptionsskandal verwickelt ist.

Madrid – Laut der Staatsanwaltschaft geht es um eine gemeinnützige Einrichtung, die sich von den autonomen Regierungen der Balearen und Valencias deutlich zu hoch bezahlen ließ, und um das Weiterleiten öffentlicher Gelder an ein Netzwerk privater Unternehmen und möglicherweise in die Taschen eines Mitglieds des spanischen Königshauses.

Operation Babel

Im Visier der Ermittler der sogenannten „Operación Babel“ steht das gemeinnützige Institut Nóos mit Sitz in Barcelona. Im Jahr 1999 gegründet, war es erst inak­­tiv, bis Iñaki Urdangarín 2003 zum Geschäftsführer und 2004 zum Präsidenten ernannt wurde. Aufgabe und Zweck des Unternehmens ist die Durchführung von Kongressen und Events rund um das Thema Sport.

Sowohl 2005 als auch 2006 nahm die balearische Regierung unter Jaume Matas (Partido Popular, PP) das Institut Nóos zur Durchführung eines Sport-Kongresses unter Vertrag, ohne dass ein öffentliches Vergabeverfahren durchlaufen wurde. Doch erst recht verdächtig erscheint, dass laut Angaben der Staatsanwaltschaft viel zu viel für die angegebenen Dienstleistungen verlangt und bezahlt wurde. Demnach seien aufgeblähte Rechnungen für Dienstleistungen ausgestellt worden, die weit weniger wert waren. Darüber hinaus nahm das Institut 2,3 Millionen Euro von der balearischen Regierung ein, doch Diego Torres, Urdangaríns Partner im Institut Nóos, hatte nur rund 800.000 Euro belegt. Mit den von der balearischen Regierung überwiesenen Geldern sollen sechs Firmen für die Ausrichtung überzogener Dienste bezahlt worden sein. Erschwerend kommt  hinzu, dass all diese Firmen vermutlich unter der Kontrolle von Urdangarín oder Torres stehen.

Mit der Regierung Valencias unter Francisco Camps wurden zwischen 2004 und 2006 zwei ähnliche Verträge geschlossen. Im letzten Fall ging es um die Ausrichtung eines Kongresses, der nie veranstaltet wurde. Trotzdem erhielt das Institut Nóos fast 400.000 Euro für diesen Auftrag.

Sowohl das Institut Nóos als auch das Wohnhaus von Diego Torres wurden bereits durchsucht und Dokumente beschlagnahmt. Urdangarín reiste derweil von seinem derzeitigen Wohnsitz Washington nach Madrid, um sich mit seinen Anwälten auf eine mögliche Befragung vorzubereiten.




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