Schwarzer Tag auf dem Arbeitsmarkt


Im August belief sich die Zahl der bei den Arbeitsämtern als arbeitslos gemeldeten Personen auf 3,18 Millionen. Foto: EFE

Noch nie zuvor gingen dermaßen viele Arbeitsplätze verloren wie am 31. August

Madrid – Beim August handelt es sich seit jeher um einen schlechten Monat für den Arbeitsmarkt, weil die Sommersaison zu Ende geht und damit viele zeitlich begrenzte Arbeitsverhältnisse enden. Insbesondere in der Hotellerie, dem Handel sowie in der Industrie und dem Gesundheitswesen – wegen der Urlaubsvertretungen – wirkt sich das Ende der Sommersaison direkt auf die Zahl der Beschäftigten aus. Doch in diesem Jahr war die August-Bilanz besonders schlecht: Am 31. August gingen mehr als 300.000 Arbeitsplätze verloren – so viele wie noch nie zuvor an einem einzigen Tag.

Am letzten August-Tag stießen mehrere für den Arbeitsmarkt negative Faktoren aufeinander: Der Tag fiel auf einen Freitag, also den Wochentag, an dem üblicherweise die meisten Arbeitsverhältnisse bei der Sozialversicherung abgemeldet werden. Dann war es auch noch der letzte Tag des Monats und, vor allem, der letzte Tag der Sommersaison. Diese Kombination führte zu einem traurigen Rekord – es wurden 363.017 Angestellte ab- und nur 58.375 neue angemeldet, womit im Ergebnis 304.642 Beschäftigungen weniger an einem Tag verzeichnet wurden.

Es kommt zwar häufiger vor, dass an nur einem Tag bei der Sozialversicherung sogar mehr Abmeldungen eingehen als am 31. August, doch werden diese üblicherweise durch Neuanmeldungen teilweise ausgeglichen. Was an diesem letzten August-Tag nicht der Fall war.

Bei den Abmeldungen handelt es sich in den meisten Fällen nicht um Kündigungen, sondern um das Auslaufen der Arbeitsverträge. Durch die schwere Wirtschafts- und Finanzkrise hat sich der Arbeitsmarkt dahingehend gewandelt, dass immer kürzere Arbeitsverhältnisse abgeschlossen werden. Die saisonale Abhängigkeit vieler Wirtschaftszweige und die Instabilität der Arbeitsverhältnisse gehören zu den Hauptmerkmalen des Arbeitsmarktes nach der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise. Tatsächlich wurden im August mehr als 1,6 Millionen Arbeitsverträge abgeschlossen, 4,3% mehr als ein Jahr zuvor. Davon waren 1,45 Millionen zeitlich befristet.

Mit den Daten vom Juli wird es noch deutlicher: Von den mehr als zwei Millionen neuen Arbeitsverträgen waren über 500.000 mit einer Dauer von weniger als sieben Tagen und mehr als 90.000 mit einer Dauer von sieben bis 15 Tagen.

3,18 Millionen Arbeitslose

Die Zahl der bei den Arbeitsämtern als arbeitslos Gemeldeten folgte diesem Trend. Seit 2011 war die Zahl der Arbeitslosen im August nicht mehr dermaßen stark angestiegen und zwar um 47.047 auf 3,18 Millionen Arbeitslose.

Die Gewerkschaften zeigten sich besorgt. Seitens der CC.OO., einer der beiden größten Arbeitnehmervertretungen des Landes, wurde darauf hingewiesen, dass sich der letzte ähnlich starke Anstieg der Arbeitslosenzahl im Jahr 2011, also mitten in der Krise, ereignet hatte. Die Rotation auf dem Arbeitsmarkt und die prekären Arbeitsverhältnisse hätten sich konsolidiert, hieß es seitens der Gewerkschaft. Die CC.OO. sieht es als unabdingbar an, dass Spaniens Wirtschaft stärker auf die Industrie, die Innovation und die Digitalisierung setzen muss, um mehr dauerhafte Arbeitsverhältnisse zu schaffen und die Fluktuationen auf dem Arbeitsmarkt zu verringern.

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