Schutzfrist für alte Mietverträge endet


© Wochenblatt

Vor 1985 abgeschlossene Pacht- und Mietvereinbarungen sind ab 1. Januar neu verhandelbar

Mit Beginn des kommenden Jahres läuft eine zwanzigjährige Schutzfrist aus, die im Mietgesetz von 1994 für Mietverträge festgelegt wurde, die vor 1985 abgeschlossen wurden (sogenannte „alquileres de renta antigua“). Dieser Stichtag wird voraussichtlich spürbaren Einfluss auf das Straßenbild so mancher Stadt haben.

Madrid – Durch die Jahrzehnte währende Schutzfrist gibt es in allen Innenstädten noch eine Reihe von kleinen und mittleren Geschäften unter 2.500 Quadratmetern, die an Standorten sehr günstige Mieten zahlen, an denen der Vermieter bei freier Preisgestaltung wesentlich höhere Erträge erzielen könnte. Ab dem 1. Januar 2015 werden viele dieser Verträge neu verhandelt werden, und einige Geschäfte, Bars und Restaurants, die heute das Stadtbild mit prägen, werden dann nicht mehr rentabel sein.

Zuerst sind diejenigen Mietobjekte betroffen, die von einer Firma (juristische Person) angemietet wurden. Wenn der Mieter ein Selbstständiger (natürliche Person) ist, hat dieser das Recht, die alte Miete noch bis zur Pensionierung oder bis zu seinem Tode beizubehalten. Dies gilt auch für Privatwohnungen, die jedoch nur noch höchstens fünf Jahre länger zu den alten Konditionen gehalten werden können.

Selbst im Falle einer lebenslangen Festlegung der alten Vertragsbedingungen dürften die meisten Mieter mittlerweile kurz vor der Pensionierung stehen, da alle betroffenen Verträge vor 1985 abgeschlossen wurden und seitdem dreißig Jahre ins Land gegangen sind.

Es ist schwer zu bestimmen, wie viele Kleinunternehmen vom Ende der „Renta antigua“ betroffen sind. Tinsa, eines der größten Unternehmen für Immobilien-Bewertung, -Analyse und -Beratung, schätzt die Zahl auf 65.000 bis 85.000. Eine andere Quelle, der Generalverband der kleinen und mittelständischen Unternehmen Copyme, schätzt die Zahl der betroffenen Kleinunternehmen auf 200.000 und die Zahl der durch sie geschaffenen Arbeitsplätze auf 300.000 bis 500.000.

Die Regierung hat verschiedene Anträge aus den Reihen der Opposition, die Schutzfrist um weitere fünf Jahre zu verlängern, um zunächst die Krise zu überwinden, abgelehnt. Für etliche kleine Geschäfte und Gastronomiebetriebe könnte sich der Mietpreis bei Anpassung an den Marktpreis mehr als verdreifachen.




Über Wochenblatt

Das Wochenblatt erscheint 14-tägig mit aktuellen Meldungen von den Kanaren und dem spanischen Festland. Das Wochenblatt gilt seit nunmehr 36 Jahren als unbestrittener Marktführer der deutschsprachigen Printmedien auf den Kanarischen Inseln.