Schulschiff-Matrosen vor Gericht


Das Segelschulschiff „Juan Sebastián Elcano“ ist in internationalen Häfen keinerlei Zollkontrollen unterworfen. Foto: EFE

Besatzungsmitglieder des spanischen Marine-Schulschiffes „Juan Sebastián Elcano“ müssen sich wegen Kokainschmuggel verantworten

Madrid – Zurzeit müssen sich sieben ehemalige Besatzungsmitglieder des spanischen Segelschulschiffs „Juan Sebastián Elcano“ wegen Drogenschmuggel vor einem Militärgericht verantworten.

Vor gut zwei Jahren gab es um das Ausbildungsschiff der spanischen Marine einen handfesten Skandal, als mehrere Mitglieder der Besatzung des Kokainschmuggels überführt wurden (das Wochenblatt berichtete). Der Verdacht kam auf, als die Homeland Security der USA die spanischen Autoritäten darüber informierten, man habe im Juni 2014 in New Jersey kolumbianische Drogenhändler festgenommen, die 25 Kilogramm Kokain mit sich führten und erklärten, es von Kurieren erhalten zu haben, die zur Besatzung der „Elcano“ gehören. Zunächst wurde verdeckt an Bord ermittelt, in dieser Zeit kam es jedoch nicht zu weiteren Straftaten. Gegen Ende der Fahrt wurden die Verdächtigen festgenommen. Bei einer gründlichen Durchsuchung des Schiffs im Hafen von Cádiz wurden weitere 127 Kilogramm Kokain im Bootsmannshellegat unter Ersatzsegeln gefunden, in einem Bereich des Schiffes, in dem die Seeleute Valle und Valladares arbeiteten. Der Wert dieses Fundes auf dem Schwarzmarkt wird auf 4,2 Millionen Euro geschätzt. Wie diese wesentlich größere Menge auf das Schiff kam, wer dafür verantwortlich ist und was damit geschehen sollte, ist ungeklärt.

Nun, mehr als zwei Jahre später, stehen diejenigen Besatzungsmitglieder vor Gericht, welche mit dem Schmuggel kleinerer Kokainmengen, inklusive den von der Homeland Security beschlagnahmten 25 Kilogramm, in Verbindung gebracht werden konnten. Es handelt sich um zwei Unteroffiziere, Jesús Rodríguez Fontao und José Ramón Delgado Cascallar, die Seeleute Francisco Ramón Martínez Sánchez, Francisco Valladares Ballesteros und Rafael Valle Heredia, den ehemaligen Matrosen Jimmy Enrique Vanoni Calderón sowie den als Koch beschäftigten Zivilisten Manuel Francisco Sirvente Prius. Sie alle stehen unter Anklage wegen des militärischen Vergehens der Pflichtverletzung an Bord und einer zivilrechtlichen Straftat gegen die öffentliche Gesundheit. Auf beide Delikte stehen bis zu sechs Jahre Haft.

In der Anklageschrift heißt es, die Beklagten hätten im Verlauf der Reise des Jahres 2014 den Umstand genutzt, dass das Segelschulschiff der spanischen Marine in internationalen Häfen keinerlei Zollkontrollen unterworfen sei, und es auch keine Kontrollen der an und von Bord gehenden Besatzungsmitglieder gegeben habe, um für Drogenhändler aus Cartagena de Indias in Kolumbien Kokain nach New York zu bringen und dieses den dort wartenden Käufern gegen eine Vergütung ihrer Dienste auszuhändigen.

Die Richterin Patricia Moncada sieht in dem Koch Manuel Francisco Sirvente, genannt El Naca, den „Vertrauensmann“ der Drogenhändler. Er ist der Einzige der sieben, der sich noch immer in Untersuchungshaft befindet. Sein Kontaktmann in Kolumbien wiederum war ein Taxifahrer aus Cartagena de Indias namens Joaquin Pernett oder „Mondongo“.

Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass Mondongo Jimmy Enrique Vanoni während des Aufenthalts der Elcano im April 2014 ca. 7,2 Kilogramm Kokain übergab, für deren Aushändigung dieser in New York 36.000 Dollar erhielt. Valladares und Valle transportierten 19,8 Kilogramm für 10.000 Dollar. Für weitere vier Kilogramm erhielten sie je 9.000 Dollar. Delgado erhielt 1.000 Dollar dafür, dass er die Drogen in der Abfallsektion des Schiffes versteckte. Der Koch bekam zudem 1.000 Euro, damit er Druck auf die Kuriere ausübte, das Kokain auch wirklich auszuhändigen.

Die Richterin hat angeregt, die Staatsanwaltschaft in Kolumbien über den Stand der spanischen Ermittlungen zu informieren, damit gegen den dortigen Mittelsmann, den Taxifahrer „Mondongo“, ebenfalls strafrechtliche Maßnahmen eingeleitet werden können.




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