Schattenwirtschaft mindert die Steuereinnahmen um 23%


Die „Real Casa de la Aduana“ in Madrid, Sitz des Finanzministeriums Foto: Luis García

Eine Studie setzt die Kanarischen Inseln bei der Einschätzung der Bedeutung der Schattenwirtschaft auf die erste Stelle des Rankings

Madrid – Laut einer von der Sparkassenstiftung „Funcas“ veröffentlichten Studie senken die wirtschaftlichen Aktivitäten, die steuerpflichtig sind, aber der staatlichen Erfassung und Besteuerung entzogen werden, also die Schattenwirtschaft, die möglichen Steuereinnahmen um 23%. Das kommt einem Anteil von 6% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) gleich. Anders ausgedrückt: Die Schwarzarbeit sorgt dafür, dass dem Staat fast 70 Milliarden Euro an Einnahmen entgehen. Aus der Studie geht weiterhin hervor, dass der Steuerbetrug in einigen Regionen wie Andalusien und den Kanarischen Inseln stärker verbreitet ist als in anderen, wie Madrid, dem Baskenland und Navarra.

Vor zwei Jahren führte das Zentrum für Soziologische Umfragen (CIS) eine Umfrage durch. Es wollte von den Teilnehmern unter anderem ihre Einschätzung über die Verbreitung der Steuerhinterziehung in Spanien wissen, wobei 97% der Befragten ihrem eigenen Land eine sehr hohe Häufigkeit von Steuerbetrug nachsagten.

In den Reihen des Finanzministeriums kreist die Legende, vor einigen Jahren sei einer der letzten Finanzminister in ein Fachgeschäft gegangen, um Material für seinen Kleingarten im Umfeld von Madrid zu erwerben. Es war ein heißes Wochenende; der Minister trug Sonnenbrille und Schirmmütze. Als er Pflanzen, Blumentöpfe, Erde und Gartenwerkzeug ausgesucht hatte und bezahlen wollte, fragte ihn der Angestellte, ob er die Rechnung mit oder ohne die IVA-Mehrwertsteuer wolle. Der Minister soll sich geärgert und den Kauf rückgängig gemacht haben.

Die von der Sparkassenstiftung Funcas ausgearbeitete Studie zeigt, dass sich die Schattenwirtschaft auf alle Wirt­schaftssektoren des Landes, über alle soziale Schichten, in alle Aktivitäten und Berufe ausbreitet. Studienleiter und Professor Santiago Lago erklärte, in Sachen Schattenwirtschaft läge Spanien über dem europäischen Durchschnitt. Die aufgrund der Steuerhinterziehung der Staatskasse verursachten Mindereinnahmen von 70 Milliarden Euro würden eine Verbesserung der öffentlichen Dienste verhindern.

Laut Funcas habe die Schattenwirtschaft in den 80er-Jahren und zu Beginn der 90er-Jahre, parallel zur Anpassung des Steuerrechts an die internationalen Regelungen, besonders zugenommen. Ob die Rezession die Steuerhinterziehung weiter begünstigt hat, konnten die Experten nicht klären.

Das Finanzamt jedenfalls geht davon aus, dass 20% der Einkommensteuer und 35% der Mehrwertsteuer hinterzogen werden.

Die Funcas-Studie analysiert ebenfalls den Einfluss der Schattenwirtschaft in den einzelnen Regionen und kommt, jedoch mit Vorbehalt, zu dem Schluss, dass der Steuerbetrug auf den Kanaren, in Andalusien, Kastilien-La Mancha und Galicien am stärksten, in Madrid, Katalonien, Asturien und Kantabrien am wenigsten verbreitet sei. Dabei wird hervorgehoben, dass die Regionen mit der höchsten Steuerlast auch am anfälligsten für Steuerhinterziehung seien.

Maßnahmen zur Bekämpfung

Die Experten raten im Kampf gegen die Schattenwirtschaft zu Werbekampagnen, die die Bevölkerung dafür sensibilisieren sollen, dass die Steuereinnahmen allen zugutekommen und Betrug der Allgemeinheit schadet. Als weitere Maßnahmen schlagen sie die Einflechtung bestimmter Fragen in die Steuererklärung vor, welche betrügerische Steuerpflichtige zum Lügen zwingen sollen, die Verbesserung der Koordination zwischen staatlichen und regionalen Steuerbehörden sowie die Einstellung von mehr Steuerkontrolleuren.





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