Sarg mit den Initialen von Cervantes gefunden


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Auf den Spuren des Mannes, der Don Quijote erschuf

Archäologen haben in einem Kloster der Trinitarierinnen in Madrid möglicherweise das Grab des spanischen Nationaldichters Miguel de Cervantes gefunden.

Madrid – Schon seit April 2014 wurde in der Krypta der Klosterkirche nach den Überresten des Schriftstellers, der mit seinem Hauptwerk „Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha“ zum Vater des modernen Romans wurde, gesucht. Bei Umbauarbeiten im Kloster im Jahr 1673 war die Grabstätte, in der man Cervantes 1616 bestattet hatte, abgeräumt worden und die Kenntnis über deren Lage verloren gegangen.

Die Krypta befindet sich 4,80 Meter unter dem Kirchenboden und könnte, ihren Abmessungen und ihrer Größe von 70 Quadratmetern nach, durchaus der Raum der ursprünglichen Klosterkirche sein, von der dokumentiert ist, dass Miguel de Cervantes dort begraben wurde. Bei einer Grabung in einer der Nischen wurde nun der halbzerfallene Deckel eines Sarges gefunden, auf dem mit drei Dutzend Ziernägeln die Buchstaben M. C. dargestellt sind.

Auch wenn die Übereinstimmung mit den Initialen des Dichters Anlass zur Hoffnung gibt, gestaltet sich die eindeutige Identifizierung schwierig, weil in der Grabstelle die Überreste von etwa zehn verschiedenen Personen ruhen. Am Fußende des Sarges, der erst später ganz freigelegt wurde, fanden sich Überreste, die offenkundig von einem Kind  stammen. Diese wurden zuerst geborgen und im Verlauf der weiteren Ausgrabung fand sich der Teil des hölzernen Deckels, der mit den Initialen gekennzeichnet ist.

Die Archäologen und Forensiker müssen nun zunächst die kindlichen Knochen von denen der Erwachsenen trennen, sodann die weiblichen von den männlichen. Danach hofft man, anhand von bekannten Merkmalen des Dichter entscheiden zu können, ob es sich um die sterblichen Überreste von Miguel de Cervantes handelt. Zu diesen Merkmalen zählen die Spuren dreier Schussverletzungen, die Cervantes in der Schlacht von Lepanto 1571 erlitten hatte. Ein Schuss verkrüppelte seine linke Hand, und zwei weitere gingen in die Brust, sodass Spuren am Brustbein zu erkennen sein sollten. Darüber hinaus sind drei weitere anatomische Besonderheiten bekannt, welche eine Identifizierung untermauern können. Der Schriftsteller hatte bei seinem Tod mit 68 Jahren nur noch sechs Zähne, und seine Wirbelsäule war durch Arthrose verkrümmt. Außerdem hatte er eine charakteristische Hakennase, deren Anlage am Schädel erkennbar wäre.

Die Archäologen werden auf jeden Fall noch weitere sieben Gräber und die restlichen 35 Nischen der Krypta untersuchen. Eine DNA-Analyse der Knochen ist nicht geplant, da es keine Nachfahren gibt und auch keine Grabstätten von Verwandten bekannt sind.

Der Fund fällt in ein Jahr, in dem sich die Veröffentlichung des zweiten Teils von „Don Quijote“ zum vierhundertsten Mal jährt. Ein Jahr darauf, am 23. April 2016, ist der vierhundertste Todestag von Miguel de Cervantes.




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