Rota wird Operationshauptquartier der EU


Archivbild eines Flugzeugträgers im Hafen der Marinebasis Rota am Nordufer der Bucht von Cádiz. Foto: EFE

Nach dem Brexit wird das Quartier in Northwood nach Südspanien verlegt

Madrid – Die Marinebasis Rota wird, nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU im März 2019, Northwood als eines von fünf Einsatzhauptquartieren ablösen.

Derzeit verfügt die EU über fünf dieser Hauptquartiere, in denen Militäraktionen geplant und geleitet werden: Northwood (Großbritannien), Potsdam (Deutschland), Paris (Frankreich), Rom (Italien) und Larisa (Griechenland). Diese Quartiere stehen jederzeit bereit, um Missionen der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik zu übernehmen. Nach dem Austritt von Großbritannien aus der EU wird Northwood wegfallen. Der Nachfolger steht bereits fest: Rota, Basis der Spanischen Armada, die auch von der US-Navy und von der NATO genutzt wird.

In der Basis am Nordufer der Bucht von Cádiz sind sechs Fregatten, zwei Versorgungsschiffe, ein amphibisches Angriffsschiff, amphibische Docktransportschiffe, ein Panzerlandungsschiff sowie sämtliche Luftfahrzeuge der spanischen Streitkräfte stationiert. Ein Teil der Basis wird ausschließlich von der US-Navy genutzt. Rund 3.000 US-Amerikaner leben hier und bilden eine eigene Community. Rota ist der Stützpunkt diverser Einheiten der Navy und von vier Zerstörern. Experten zweifeln nicht daran, dass die Basis absolut geeignet ist, um anspruchsvolle EU-Missionen durchzuführen.

Verteidigungsministerin Margarita Robles bestätigte kürzlich die Übernahme.

Das Verteidigungsministerium wird 1,2 Millionen Euro in Rota investieren, um das neue Hauptquartier zu bauen. Hier werden 95 Militärangehörige, etwa die Hälfte Spanier sowie Soldaten aus den restlichen 26 EU-Mitgliedsstaaten, arbeiten.

Doch Spanien wollte sich nicht damit begnügen, dass Rota nur formell zum Hauptquartier wird. Man wollte von Northwood auch die Operation Atalanta übernehmen, die seit 2008 besteht und die multinationale Missionen der EU zum Schutz von Hilfslieferungen nach Somalia und zur Bekämpfung der Piraterie vor der Küste Somalias am Horn von Afrika durchführt. Nun ist die Entscheidung gefallen, Atalanta geht ebenfalls nach Rota.

Rom hatte der südspanischen Basis die Übernahme dieser Mission jedoch streitig gemacht. Die Italiener hatten sich darauf berufen, dass in Rom bereits die Operation Sophia zur Bekämpfung des Schmuggels von Flüchtlingen im Mittelmeer geleitet wird, und eine Zusammenlegung beider Missionen Kosten sparen würde. Mit dem gegenteiligen Argument hatten die Italiener seinerzeit die Operation Sophia nach Rom holen und eine Übernahme seitens Northwood verhindern können.   

Sich dieses Problems bewusst, hatten die Spanier nach Verbündeten gesucht. Tatsächlich konnten sie sich die Unterstützung von der französischen Verteidigungsministerin, Florence Parly, sichern. Bereits im März beantragten sie gemeinsam bei Federica Mogherini, Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, die Verlegung von EUNav for Somalia nach Rota und des Zentrums für Maritime Sicherheit am Horn von Afrika (MSCHOA), derzeit ebenfalls noch in Northwood, nach Brest.

Spanien sah sich als berechtigter Nachfolger von Northwood bei der Übernahme von Atalanta an. Immerhin gehört Spanien zu den entschiedensten Verfechtern der Aktion und hat kontinuierlich an der bereits zehn Jahre andauernden Aktion teilgenommen. Derzeit ist Spanien mit dem Versorgungsschiff „Patiño“ und einem Flugzeug zur Seeüberwachung am Horn von Afrika vertreten. Immerhin hat Spanien als einziges Land der EU an allen militärischen Aktionen der Gemeinschaft teilgenommen und leistet derzeit den größten Beitrag: 30% der an EU-Militäraktionen teilnehmenden Soldaten sind Spanier. Fernando Alejandre Martínez, Generalstabschef der spanischen Streitkräfte, bescheinigt Rota „Effizienz, Erfahrung, Zugänglichkeit, Sicherheit und garantierte Bereitschaft“.

Die Experten stimmen überein, die Überstellung von Atalanta an Rota sei aus militärischer und politischer Sicht vollkommen angemessen.

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