Regierung betreibt Schönfärberei


Positive Wachstumsprognosen

Zumindest die Politiker auf staatlicher und EU-Ebene scheinen derzeit in Euphorie zu verfallen. „Es geht endlich bergauf“, „die Rettung Spaniens hat funktioniert“ – bekommt man derzeit ständig zu hören.

Madrid – Dabei sieht die Realität nicht ganz so rosig aus: die Preise und die Gehälter fallen nach wie vor, auf dem Immobilienmarkt tut sich wenig, der Handel kommt nicht in Schwung, die Arbeitslosenquote liegt über 25%, die Staatsverschuldung erreicht fast 100% des Bruttoinlandsproduktes (BIP), das Defizit ist eines der höchsten Europas.

Trotzdem hat die Regierung die Wachstumsprognosen für dieses Jahr mittlerweile auf 1,5% des BIP erhöht und stützt die Erwartungen auf eine Steigerung des Exportgeschäftes und das Wiederaufleben des Binnenkonsums.

Unterstützt wird sie dabei durch Brüssel. Kurz vor den Europawahlen kommt Spaniens Regierung  die Tatsache, als Beispiel einer gelungenen Rettung dazustehen, mehr als recht. Spanien habe Mut bewiesen und die nötigen Reformen beschlossen, um das Blatt zu wenden – anders als Frankreich und Italien –, so heißt es. Woraufhin sich laut Madrid der Staat wieder besser finanzieren kann und weniger Zinsen zahlen muss, ganz abgesehen von der Sanierung des Finanzsystems, der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und dem Abbau der Staatsverschuldung. Zwei Jahre mit einem Wachstum von 1,5% des BIP sollen ausreichen, die Krise hinter sich zu lassen.

Unterm Strich: Auf höchster Ebene will man aus Eigeninteresse den Aufschwung beschwören, der beim Volk noch nicht angekommen ist.




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