Rauchverbot für Gastronomie weniger geschäftsschädigend als erwartet


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Bislang ist die vom Sektor befürchtete Entlassungswelle ausgeblieben

Aller Schwarzmalerei des betroffenen Sektors zum Trotz, die dramatischen Konsequenzen, die die spanischen Gastronomen aufgrund der im Januar dieses Jahres in Kraft getretenen verschärften Version des Antitabak-Gesetzes prophezeiten, sind bis dato nicht eingetreten.

Madrid – Zumindest nicht im Hinblick auf die Beschäftigungslage, einem der am lautesten von der Branche vorgebrachten Einwände.

Das strenge Rauchverbot in sämtlichen öffentlichen Gebäuden und somit auch ohne Ausnahmen in allen gastronomischen Betrieben, würde einen deutlichen Rückgang der Kundschaft zur Folge haben, so hatten Gastronomen moniert. Die dadurch erlittenen finanziellen Einbußen könnten in vielen Fällen nur durch Entlassung von Personal ausgeglichen werden, wurde unter anderem befürchtet.

Angesichts der derzeit ohnehin schlechten Beschäftigungslage in Spanien durchaus ein schlagendes Argument. Doch aus den jüngsten offiziellen Daten der spanischen Sozialversicherung Seguridad Social ist ersichtlich, dass diese Befürchtungen bislang unbegründet sind. Ende Februar wurden im Bereich Gastronomie jedenfalls 21.443 neue Anstellungen (im allgemeinen sowie dem Bereich für Freiberufler) verzeichnet. Und die derzeitige jahresübergreifende Variation liegt diesbezüglich im Schnitt bei einem Plus von 6.882 Angestellten.

Der betroffene Sektor lässt sich von diesen Zahlen jedoch noch nicht überzeugen. Es sei noch zu früh, um die tatsächlichen Folgen des Gesetzes in ihrem ganzen Ausmaß schwarz auf weiß zu haben. Ein Einnahmenrückgang habe ja nicht „sofort und automatisch“ eine Welle der Entlassungen zur Folge, wurde unter anderem argumentiert. Sollte die Geschäftslage jedoch in den kommenden Monaten so dürftig bleiben, wie seit Inkrafttreten des strengen Rauchverbots, würde sich dies mittel- bis langfristig auch in den offiziellen Zahlen der Seguridad Social bemerkbar machen, so Vertreter des Sektors. Nach eigenen Angaben sind die Einnahmen seit Januar im Bereich Bars und Kneipen um 16%, im Nachtbetrieb um etwa 19% und in der Gastronomie um 14% gesunken.

Im Vorfeld zum Inkrafttreten des ley antitabaco waren Spaniens Hoteliers und Gastronomen davon ausgegangen, dass als Folge des Gesetzes mindestens 20.000 Arbeitsplätze verloren gehen würden. Das Institut für wirtschaftliche Untersuchungen ging sogar von einem Minus von 50.000 Stellen aus. Die Beschäftigungslage würde in dem Bereich um 5 bis 7 Prozent sinken, befürchteten Wirtschaftsanalysten.

Der unerwartete Anstieg des Tourismus in Spanien aufgrund der unsicheren Lage in Nordafrika könnte einer der Gründe dafür sein, dass die erwarteten dramatischen Folgen des Antitabak-Gesetzes noch ausgeblieben sind, so ein Sprecher des spanischen Hotellerie- und Gastronomieverbands.

Vielleicht aber haben sich auch die Vorhersagen der Befürworter des strengen Gesetzes bestätigt, die davon ausgingen, dass zwar einige rauchende Gäste ihren Stammlokalen künftig fernbleiben würden, dafür aber zahlreiche Neukunden gewonnen werden könnten wie Familien mit Kindern sowie Nichtraucher, die bislang aufgrund des Qualms Bars, Kneipen und Restaurants weitestgehend gemieden hatten.




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