Rajoy trifft sich mit hundert Kleinunternehmern


„Sie sind es, die Arbeitsplätze schaffen“

Die Botschaft an die Direktoren der großen Unternehmen, die José Luis Zapatero ihre Unterstützung zugesagt haben, konnte nicht eindeutiger sein. PP-Chef Mariano Rajoy benötigte keinerlei Erklärungen, um seinen Unmut zum Ausdruck zu bringen.

Madrid – Er lud hundert Vertreter kleiner und mittlerer Unternehmen – hier Pymes genannt – in ein Lokal in Madrid ein. Dort versprach er ihnen Reformen und Steuersenkungen, ohne jedoch konkreter zu werden. Rajoy hat nicht den Namen des Bankiers Emilio Botín ausgesprochen, der als Anführer der Unternehmer gilt, welche den Präsidenten in seinen Reformplänen unterstützen und der ihn auch mit drei anderen Magnaten darin bestärkt hat, auf keinen Fall vorgezogenen Wahlen abzuhalten, was Rajoy ja immer wieder verlangt. Die Spitze der Partido Popular hat sich weit von den Meinungen und Ratschlägen der großen Unternehmen entfernt, und das ist in den Reihen der Partei teilweise heftig kritisiert worden.

Im Juni vergangenen Jahres hatte Rajoy mit einer Einladung versucht, die wichtigsten Vertreter des Finanzwesens auf seine Seite zu ziehen, doch nur einige kamen ihr nach und Emilio Botín war nicht dabei. Die Distanz zwischen der konservativen Partei und wichtigen Persönlichkeiten der Unternehmerschaft ist offensichtlich und wird von der Parteileitung auch nicht bestritten. Doch aus der Umgebung von Rajoy verlautet, die Beziehungen würden sich mit Sicherheit verbessern, wenn die Partei an die Macht zurückkehrt. Auch Botín werde sich wieder annähern, wenn Rajoy die Wahlen gewinnt.

Auf jeden Fall vermeidet Rajoy einen offenen Konflikt mit dem einflussreichsten Banker Spaniens. So hat er auch nur eine indirekte Botschaft an die Großindustrie verkündet, als er von den „Pymes“ umgeben war: „Achtzig Prozent der Arbeitsplätze in Spanien hängen von den kleinen und mittleren Unternehmen ab, und eines muss klar sein – ohne kleine Unternehmer gibt es keine großen Firmen in Spanien. Mercadona, Mango oder Zara waren, bevor sie das wurden was sie heute sind, kleine Unternehmen, die mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten. Wenn man den Kleinen nicht hilft, ist es sehr schwierig für sie, zu großen Unternehmen zu werden. Hier muss ein Umdenken in Spanien erfolgen.“




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