Rajoy kannte weder die Buchhaltung B, noch hat er Geld erhalten


„Ich weigere mich, zu debattieren, die Gerichte werden entscheiden“

Vier Tage, nachdem Luis Bárcenas das Gefängnis verlassen hat, antwortete der Regierungschef auf dessen schwere Anschuldigungen. „Ich habe keine Buchhaltung B gekannt und auch niemals Schwarzes Geld erhalten“, beteuerte er in einem Interview mit dem Fernsehsender Tele5.

Madrid – Rajoy hatte sich offensichtlich entschlossen, zu antworten, nachdem er die Aufnahmen gesehen hatte, in denen Bárcenas unter anderem behauptet hatte, dass er ihm zu seinem Posten verholfen und auch von der Existenz der Kasse B gewusst habe. Er habe auch davon profitiert und über Jahre Schwarzgeldzahlungen  erhalten.

„Ich war schon im Kongress und auch im Senat, um Erklärungen abzugeben, und ich weigere mich, Tag für Tag mit Herrn Bárcenas darüber zu diskutieren, wann ich eine Erklärung abzugeben habe. Jetzt werden die Richter entscheiden, was ich zu sagen habe. Wir werden tun, was in unseren Kräften steht, damit sich so etwas nicht wiederholt“, versicherte der Präsident vor den Fernsehkameras.

Ansonsten wiederholte Rajoy die offizielle Version der Partido Popular: Wenn es eine Kasse B gab, dann war sie von Bárcenas. Der hat inzwischen erklärt, dass diese Aussage keinen Sinn mache, denn er hätte doch niemals aus seiner eigenen Kasse Bauarbeiten an der Parteizentrale schwarz bezahlt. Rajoy beharrt darauf, dass dies nicht die Kasse der Partido Popular gewesen sein kann und entschuldigt gleichzeitig die gesamte Parteispitze. „Weder ich noch die übrigen Parteiführer hatten jemals die geringste Ahnung von der Existenz dieser „Sache“. Vielleicht gehörte sie irgend jemandem, aber nicht der PP.“

Rajoy unterstrich, dass ja jetzt alles untersucht werde. Er sei dabei, die Gesetze zu reformieren, um die Korruption besser zu bekämpfen. Das Wichtigste sei, dass auch bestraft werde. „Ich kann versichern, dass die Polizei, die Richter und die Finanzbehörde mit mehr Freiheit und Effizienz arbeiten als je zuvor.“ Auf die Fragen, die von Fernsehzuschauern eingesandt worden waren, erklärte der Präsident unter anderem: „Alle Personen, die in diesen Fall verwickelt sind, gehören nicht zur Partido Popular. Der Fall Bárcenas beschäftigt uns jetzt seit sechs Jahren, und seit längerer Zeit gehört der Herr Bárcenas nicht mehr zu unserer Partei,“ versicherte er. und das war das erste Mal, dass er diesen Namen aussprach.




Über Wochenblatt

Das Wochenblatt erscheint 14-tägig mit aktuellen Meldungen von den Kanaren und dem spanischen Festland. Das Wochenblatt gilt seit nunmehr 36 Jahren als unbestrittener Marktführer der deutschsprachigen Printmedien auf den Kanarischen Inseln.