Radarfallen: 37% mehr Bußgeldbescheide


Radarkontrollen, die nicht angekündigt sind, dienen nach Ansicht des RACE-Automobilclubs weniger der Vorbeugung als dem Wunsch, Einnahmen zu generieren. Foto: EFE

In nur fünf Jahren wuchs die Zahl der Ordnungsstrafen für Geschwindigkeitsüberschreitungen um mehr als ein Drittel

Madrid – Die Bußgelder, welche durch Geschwindigkeitskontrollen im Straßenverkehr mittels Radar erhoben werden, sind ständig im Steigen begriffen. Wie eine Anfrage des sozialistischen Abgeordneten Miguel Ángel Heredia im Parlament ergab, zog die Verkehrsgeneraldirektion (Dirección General de Tráfico, DGT) im Jahr 2016 insgesamt 164,2 Millionen Euro an „Multas“ durch Radarfallen ein. Gegenüber dem Jahr 2012 mit 120 Millionen Euro bedeutet dies einen Anstieg von 37% in nur fünf Jahren. Gegenüber anderen Ordnungsstrafen haben die per Radar gemessenen Geschwindigkeitsüberschreitungen an Gewicht gewonnen. Machten sie im Jahr 2013 noch 29,7% aller Verkehrsstrafen aus, waren es 2014 bereits 33% und 2016 wuchs ihr Anteil auf 41,5% an.

Die DGT gibt zwei Gründe für diesen Anstieg an. Zum einen sei zu Beginn des Jahres 2015 der Plan zur Geschwindigkeitskontrolle auf den spanischen Landstraßen geändert worden, um einer erhöhten Unfallhäufigkeit entgegenzuwirken. Damals wurde entschieden, alle mobilen Radargeräte auf die Nebenstraßen zu verlegen, wo über 75% aller Todesopfer registriert wurden. Zum anderen habe sich das Verkehrsaufkommen deutlich erhöht. 2016 habe es 392 Millionen Langstreckenfahrten gegeben, 5% mehr als 2015 und 9% mehr als im Jahr 2014.

Zudem seien einige andere Verkehrsdelikte, wie beispielsweise das Fahren unter Alkoholeinfluss, rückläufig.

Die Erneuerung des Asphalts glänzt durch Abwesenheit

Der Abgeordnete Miguel Ángel Heredia lässt diese Argumentation nicht gelten und geht hart mit der DGT und dem von ihr koordinierten Einsatz der Radarfallen ins Gericht: „Die Geschwindigkeitsradare werden nicht dort aufgestellt, wo die meisten Unfälle geschehen, sondern es wird versucht, die Autofahrer in die Falle zu locken, um Einnahmen zu generieren. Wir fordern, dass die 164 Millionen Euro, die auf diese Weise eingenommen wurden, in die Verbesserung der Verkehrssicherheit investiert werden. Seit Mariano Rajoy an die Regierung gekommen ist, glänzt die Erneuerung des Asphalts durch Abwesenheit, und in die Beschilderung ist praktisch nichts investiert worden.“

Antonio Lucas, Sprecher von Spaniens führendem Automobilclub RACE, bläst in das gleiche Horn: „Ein versteckter Radar, der nicht durch die Be- schilderung angezeigt wird, erfüllt eher die Funktion des Geldeintreibens als die der Vorbeugung. Damit durch den Einsatz der Radare das Ziel der Reduzierung der Unfallzahlen er- füllt werden kann, muss für die Autofahrer erkennbar sein, dass sie an Orten aufgestellt werden, wo ein reales Risiko besteht. Wenn durch die Radare immer mehr Bußgelder eingenommen und immer mehr davon aufgestellt werden, dann geht etwas schief, denn es wird offenbar nicht erreicht, dass sich der Autofahrer des Risikos bewusst wird.“ Auch der Automobilclub AEA (Automovilistas Europeos Asociados) ließ verlauten, das Anwachsen von Anzeigen und Bußgeldern zeige, dass die Strategie der DGT nicht aufgehe.

Die Autofahrer sehen dies ähnlich, denn nach einer Umfrage der Stiftung Linea Directa sind 92% der Befragten der Meinung, dass die Radarfallen vor allem den Zweck haben, Kasse zu machen.




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