„Qualität“ – das Zaubermittel für die Informationsmedien


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Die Informationsmedien stellen sich den Herausforderungen der Zukunft: Dem Kampf gegen die Verbreitung falscher Meldungen und für das finanzielle Überleben

Madrid – Bei der Jahrestagung der Vereinigung der Informationsmedien (Asociación de Medios de Información, AMI), welche die wichtigsten spanischen Medien vereint und vor den Behörden auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene vertritt, gab es in diesem Jahr zwei Schwerpunkte: Das weltweit zunehmende Verbreiten von Falschmeldungen und die Erschließung neuer Einnahmequellen.

AMI-Präsident Javier Moll erklärte, noch nie zuvor sei dermaßen viel Information „konsumiert“ worden. Moll appellierte an die Medien, die Genauigkeit und Glaubwürdigkeit als Schlüsselelemente für das Überleben der Presse hochzuhalten.

Die große Überraschung der Tagung war die Teilnahme des türkischen und im deutschen Exil lebenden Journalisten Can Dündar, der trotz internationalen Haftbefehls nach Madrid gekommen war. Dündar wird vom Regime Recep Tayyip Erdogans Terrorismus vorgeworfen, weil er über den Waffenverkauf der Türkei an syrische Rebellen im Jahr 2014 berichtete. Der Journalist saß bereits mehrere Monate in der Türkei in Haft. Vor dem Gerichtsgebäude wäre er fast Opfer eines Anschlages geworden. Seit Juli 2016 lebt Dündar in Deutschland im Exil. Von Deutschland aus fordert er die Meinungsfreiheit in seinem Heimatland, dessen Medien zu 90% von Erdogan kontrolliert werden. In Madrid erklärte Dündar: „Der Journalismus ist eine gefährliche Arbeit, aber wir müssen die Wahrheit verteidigen und für die Demokratie kämpfen.“

Die Verleger, die sich verpflichteten, für eine freie Presse und relevante Inhalte einzutreten, debattierten auch über neue Einnahmequellen. Martin Jönsson von der schwedischen Tageszeitung Dagens Nyheter stellte die Lage der Medien folgendermaßen dar: „Wir brauchen eine finanziell nachhaltige Presse, um einen qualitativ hochwertigen Journalismus aufrechterhalten zu können. Wir haben viele Einkünfte durch Werbung verloren. Viele Kunden sind zu den technologischen Giganten gewechselt.“ Jönsson erklärte, 77% der schwedischen Nutzer würden für etwas bezahlen, sei es nun für Filme, Musik oder Nachrichten. Um Abonnenten zu gewinnen und zu binden, sei es grundlegend, qualitativ hochwertigen Journalismus zu bieten. „Wenn wir wollen, dass die Leute bezahlen, müssen wir die Besten sein,“ so Jönsson. In wenigen Monaten, erwarte seine Zeitung, mehr Abonnenten der digitalen als Käufer der Print-Ausgabe zu haben.

Zu den modernen Herausforderungen der Presse gehört auch, Mechanismen zu schaffen, welche die Verbreitung falscher Meldungen eingrenzen. Darum geht es bei „The Trust Project“, um eine Art Gütesiegel für die Wahrheit einer Meldung, dem die Verbraucher Glauben schenken können. Die Direktorin, Sally Lehrman, unterstrich, dass fast hundert internationale Medien teilnehmen würden. All diese Medien hätten sich verpflichtet, einen ethischen Code mit hohen Standards von Transparenz und Glaubwürdigkeit zu erfüllen.

Digital lesen nimmt zu

Laut der AMI überwiegen mittlerweile die Nutzer, die ausschließlich digital Informationsmedien lesen (46%). Der Anteil derjenigen, die nur die gedruckten Ausgaben erwerben, liegt bei 34%, während 20% beide Formate nutzen.

Die Werbung macht 52% der Einnahmen der Informationsmedien aus, der Verkauf von Exemplaren 48%. Im Rahmen der Einkünfte durch Werbung verteilen sich diese zu 71% auf das Printformat, 29% auf das digitale Format.




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Das Wochenblatt erscheint 14-tägig mit aktuellen Meldungen von den Kanaren und dem spanischen Festland. Das Wochenblatt gilt seit nunmehr 36 Jahren als unbestrittener Marktführer der deutschsprachigen Printmedien auf den Kanarischen Inseln.

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