Proteste wegen Kürzungen im Bildungswesen


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Lehrer, Schüler und Eltern streiken gegen die Sparmaßnahmen

Die schlechte Nachricht kam kurz vor Beginn des neuen Schuljahres: Auch das öffentliche Bildungswesen wird nicht mehr von den harten Einsparungen verschont bleiben, mit denen Spanien seit Monaten schon verzweifelt versucht, wieder Herr über die prekäre finanzielle Lage des Landes zu werden.

Ganz besonders schmerzhaft von den Kürzungen betroffen sind die autonomen Regionen Madrid, Katalonien, Navarra, Castilla-La Mancha und Galicien, wo sich Lehrer, Schüler und Eltern mobilisiert haben und wieder und wieder vor den regionalen Bildungsministerien versammeln, um mit Demonstrationen und Kundgebungen gegen die Sparmaßnahmen zu protestieren.

Spanien hat die autonomen Regionen zu Sparmaßnahmen in Millionenhöhe im Bildungswesen aufgefordert. Das wird unter anderem bedeuten, dass mindestens 10.000 Lehrerstellen gestrichen werden. In der Region Madrid, wo etwa 3.000 Lehrer weniger in diesem Schuljahr unterrichten werden, soll dies unter anderem auch dadurch erreicht werden, dass jeder Lehrer an weiterführenden Schulen zwei Unterrichtsstunden mehr pro Woche geben muss. Außerdem sollen die Verträge von Aushilfslehrern nicht verlängert, Sonderkurse sowie andere außerschulische Aktivitäten gestrichen und die Zahl der Schüler in den einzelnen Klassen erhöht werden. Dadurch will die von der konservativen Volkspartei regierte Region rund 80 Millionen Euro einsparen. Gleichzeitig sollen die Eltern von Schülern an Privatschulen in der Region aber das Schulgeld in diesem Jahr steuerlich absetzen können, was für noch mehr Empörung bei Gewerkschaften und Lehrerverbänden sorgt.

Aus Protest finden neben Streiktagen inzwischen auch fast wöchentlich Demonstrationen in der spanischen Hauptstadt und anderen Städten statt, an denen sich Tausende Lehrer, Schüler und Eltern beteiligen. Auf den Bannern der Demonstranten sind unter anderem Sprüche wie „Nein zu den Kürzungen! Bildung ist keine Ausgabe, sondern eine Investition“ und „Wir verteidigen die Zukunft deiner Kinder“ zu lesen. Gewerkschaften und Lehrerverbände befürchten unter anderem, dass durch die Kürzungen das ohnehin seit Jahren schon im Staatshaushalt immer knapper bemessene Bildungswesen zu einer deutlichen Verschlechterung der schulischen Qualität in Spanien führen wird. Gerade in Zeiten der Krise sei es wichtig, die Ausbildung der nachfolgenden Generation zu fördern, wird unter anderem argumentiert.

Besonders hitzig wurde die Debatte, als Madrids Regierungschefin, die konservative Esperanza Aguirre, zu allem Überfluss auch noch die Frage in den Raum stellte, ob das öffentliche Bildungswesen wirklich weiterhin kostenlos sein sollte. Obwohl sie sich später noch rechtfertigen wollte, sie habe nur die weiterführenden Bereiche der schulischen Ausbildung in Spanien gemeint, also nicht die Pflichtjahre, war die Empörung nicht nur bei den Betroffenen groß.

Obwohl für Oktober bereits in vielen autonomen Regionen weitere Streiktage und Protestaktionen angekündigt wurden, die Aussichten auf Erfolg sind angesichts der prekären Wirtschafts- und Finanzlage Spaniens und den bevorstehenden Parlamentswahlen verschwindend gering.




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