„Projekt Paula“


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Die Tatkraft einer verzweifelten Mutter bewirkte die Wiedereinstellung einer Forscherin

Auch das spanische Forschungswesen wird stark von der Wirtschaftskrise in Mitleidenschaft gezogen. Mittel werden gekürzt, wo es nur geht. Wissenschaftler werden entlassen, Forschungsprojekte eingestellt, deren Ergebnisse Krankheiten heilen könnten.

Madrid – Die Mutter eines an Diabetes erkrankten Mädchens wollte dies nicht einfach so hinnehmen und sammelte monatelang Spenden. Mit dem Ergebnis, dass eine die Diabetes erforschende Wissenschaftlerin wieder eingestellt wurde und ihre Studien weiterführen kann.

Cristina Ponce ist die Mutter der 14-jährigen Paula, die an Diabetes leidet. Im April vergangenen Jahres beschloss sie, die Spendenaktion „Projekt Paula“ ins Leben zu rufen, um die Erforschung von Diabetes zu fördern. Im Nachhinein erklärte sie: „Das ist das Einzige, was ich tun kann, damit meine Tochter geheilt wird.“ Über Monate hinweg sammelte Ponce Geldspenden und verkaufte Snacks und T-Shirts. Schließlich kamen 7.700 Euro zusammen. Das Geld übergab die tatkräftige Mutter dem Forschungszentrum Príncipe Felipe in Valencia (CIPF). Dabei wies Ponce erneut auf die enorme Reduzierung der Mittel hin und forderte die öffentliche Verwaltung zu erneuter finanzieller Unterstützung auf, … „denn die wissenschaftliche Forschung ist sehr wichtig; diese Menschen arbeiten für unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden und unser Glück“.

Das 32.000 Quadratmeter große CIPF gehört zu den renommiertesten wissenschaftlichen Forschungszentren Spaniens, doch innerhalb von nur zwei Jahren wurden die finanziellen Mittel um über die Hälfte gekürzt (2009: 9,8 Millionen Euro – 2011: 4,6 Millionen Euro). Ein Verfahren zur Regulierung von Arbeitsplätzen (ERE) wurde in Gang gesetzt, 133 Mitarbeiter mussten gehen, darunter Silvia Sanz.

Sanz hat sich auf die Erforschung der Bauchspeicheldrüse spezialisiert, deren Beta-Zellen  für die Insulinproduktion verantwortlich sind. Im Falle des Diabetes Typ 1 stellt der menschliche Körper dieses Hormon nicht her oder aber nur in geringen Mengen. Bis zu ihrer Entlassung befand sich die Wissenschaftlerin auf der Suche nach einer Möglichkeit, das Wachstum der Beta-Zellen und somit die körpereigene Insulinproduktion anzuregen. Mit Hilfe des von Cristina Ponce gespendeten Geldes konnte Silvia Sanz nun wieder eingestellt werden, um ihre Forschungsarbeit fortzusetzen. Die Mittel reichen bis Mai.

Deborah Burks, die Leiterin des Laboratoriums, in dem Sanz arbeitet, freute sich über die Einsatzbereitschaft und Tatkraft von Cristina Ponce. Wie Burks berichtete, seien private Spenden an Forschungsinstitute in ihrem Heimatland, den USA, mehr verbreitet und zählten zu den üblichen Finanzierungsquellen der wissenschaftlichen Einrichtungen.




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