Private Solaranlagenbetreiber stehen kurz vor der Pleite


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Zuerst gab es Subventionen, jetzt nur noch Kürzungen und Steuerforderungen

Noch vor nicht allzu langer Zeit unterstützte die damalige Regierung die Einrichtung von Fotovoltaikanlagen aus umweltpolitischen Gründen und als Investition in die Zukunft. Nun stehen viele Kleinanleger wegen der Subventionskürzungen und Steuererhöhungen kurz vor dem Bankrott.

Madrid – Vor sechs Jahren förderte die Regierung des ehemaligen Präsidenten José Luis Rodríguez Zapatero noch die Solarenergie, unter anderem, um die Vorgaben des Kyoto-Protokolls zu erfüllen. 2007 wurde ein Prämiensystem eingerichtet, um die hohen Anschaffungskosten der Fotovoltaik­anlagen auszugleichen. Insbesondere Landwirte entschlossen sich damals, in  Solaranlagen zu investieren und auf diese Weise für das Alter vorzusorgen. Mal wurden kleinere Anlagen installiert, mal schloss man sich zusammen und baute einen  Solarpark. Mit Hilfe von Bankkrediten wurden hohe Investitionen getätigt, Angespartes und Eigentum als Sicherheiten eingesetzt, schließlich schien es sich um eine sichere Anlageform zu handeln. Von der Regierung garantiert, so hieß es damals.

Doch dann kam die Krise, und die damalige sozialistische und nun die heutige konservative Regierung wandten sich nach und nach von den Kleinanlegern ab. Zuerst wurden 2010 die Prämienzahlungen auf 25 Jahre beschränkt, dann die Zahl subventionierter Kilowattstunden beschränkt. Darüber hinaus wurde im vergangenen Jahr eine neue Stromerzeugungssteuer von 7 Prozent eingeführt.

Nach den Kürzungen und der Einführung der Steuer sollen Schätzungen zufolge mittlerweile rund 30.000 Familien die Bankkredite nicht mehr bedienen können und kurz vor der Pleite stehen. Viele versuchen, mit den Banken die Kreditkonditionen neu auszuhandeln, doch von deren Seite kommt oftmals nur das Angebot einer Refinanzierung, mit längerer Laufzeit und höheren Zinsen. Von den Politikern ist keine Hilfe in Sicht. In der Zeitung El País berichtete Miguel Ángel Martínez-Aroca, Präsident der Nationalen Vereinigung von Produzenten und Investoren in erneuerbare Energien (Anpier), Staatssekretär Alberto Nadal habe angeboten, die Kredite in die Bad Bank aufzunehmen, doch Wirtschaftsminister Luis de Guindos habe diese Möglichkeit öffentlich ausgeschlossen. Das Industrieministerium soll bisher jeglicher Bitte seitens der Vereinigung um Auskunft und Hilfe ausgewichen sein. 

Zuerst von den Politikern ermuntert und gefördert, nun behindert und im Stich gelassen, sitzen plötzlich Tausende privater Solaranlagenbetreiber auf einem Schuldenberg.




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