Private Gesundheitsversorgung im Aufwind


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Mehr Effizienz und Konkurrenz

Während das öffentliche Gesundheitssystem von der Krise geschüttelt wird und wegen der staatlichen Kürzungen ständig Einschnitte hinnehmen muss, geht es dem Privatsektor prächtig. Alles weist darauf- hin, dass der Boom nicht nur anhält sondern sogar noch zunehmen wird.

Madrid – Die Krise im öffentlichen Gesundheitswesen kommt den privaten Krankenversicherungen und Krankenhäusern zugute, die ihr Geschäft in den letzten zehn Jahren verdoppeln konnten. Antonio Jiménez von der Versicherungsgesellschaft Axa erklärte, der staatliche Sparzwang gehe auf Kosten verschiedener Bevölkerungsgruppen und Leistungen, sodass immer mehr Menschen ein Komplettpaket oder auch nur Zusatzleistungen bei privaten Krankenversicherungen abschlössen. Die Gesellschaften wiederum stellten sich ganz auf die Wünsche ihrer Kunden ein und würden auch nur bestimmte, ausgewählte Leistungen kostengünstig anbieten. Darüber hinaus sieht sich das öffentliche Gesundheitswesen praktisch zu immer mehr Privatisierungen gezwungen und sucht die Zusammenarbeit mit den Privatkrankenhäusern.

Doch deren Erfolg beruht auch auf den eigenen Anstrengungen, den Zahlen zufolge ist die private Gesundheitsversorgung nämlich um einiges effizienter. Jiménez begründete dies mit einer besseren Ausnutzung der Geräte, einer höheren Flexibilität und der nicht vorhandenen Bindung an beamtenrechtliche Bestimmungen, die höhere Gehälter und weniger Produktivität zur Folge hätten. Darüber hinaus nehme die Konkurrenz – und somit der Erfolgsdruck und die Anstrengungen – stetig zu. Um mithalten zu können, schließen sich immer mehr Unternehmen zusammen.

In den letzten Jahren haben sich Konzerne gebildet. Nach der Fusion mit USP ist Quirón mit einem Jahresumsatz von 650 Millionen Euro der Marktführer unter den privaten Krankenhausketten. Zu den „Großen“ gehören auch Capio Sanidad, HM Hospitales, Ribera Salud oder Sanitas mit einem Umsatz von 205 Millionen Euro im vergangenen Jahr, 14,5% mehr als noch 2010. Die guten Gewinne wiederum ermöglichen Investitionen in neue Gebäude, hochmoderne Technologie und einen ausgewählten Ärztekatalog, so Rubio.

Ein vielversprechendes Geschäft mit sehr guten Zukunftsaussichten: Laut Francisco Marcos von Mapfre nähmen erst 20% der Bevölkerung die Angebote des privaten Gesundheitssystems wahr, während in Ländern wie Frankreich oder Deutschland der Satz  bei 30 % liege.

Doch auch das privatwirtschaftliche System wird sich in Zukunft neuen Herausforderungen stellen müssen, insbesondere der zunehmenden Verteuerung medizinischer Behandlungen. Die Kliniken wollen deswegen weiter auf Zusammenschlüsse setzen. Carlos Barallobre von Mercapital, der bedeutendsten Risikokapitalgesellschaft im Sektor, gab an, die privaten Krankenversicherer hätten diesen Prozess größtenteils schon hinter sich. Die acht Größten haben einen Marktanteil von 80%, doch bei den privaten Krankenhäusern gäbe es noch allerhand Spielraum, denn die acht Größten machen gerade mal 30% des Marktes aus. Und auch Barallobre betonte, dass nur Zusammenschlüsse die Investitionen in die Ausstattung und das Personal ermöglichen und Verwaltungskosten senken würden.




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