Presse protestiert gegen Zensur durch Valencias Regierung


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Zehn Fotos wurden aus einer Ausstellung entfernt

Die PP-Regionalregierung von Valencia ist erneut wegen undemokratischer Maßnahmen in die Kritik geraten. Auf Anordnung von „oberster Stelle“ mussten insgesamt zehn Fotografien aus einer Ausstellung entfernt werden, die unter dem Motto „Fragmente eines Jahres“ steht und vom Verband der Pressefotografen im Museum für Illustration und Modernität in Valencia gezeigt werden sollte.

Valencia – Der Dachverband der spanischen Presseorganisationen FAPE, dem 14.000 in 48 Verbänden zusammengeschlossene Journalisten angehören, hat gegen die Maßnahme als „Zensur“ protestiert und sie als frontalen Angriff gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung  bezeichnet.

Es geht um eine Gruppierung von Aufnahmen unterschiedlicher Regierungspolitiker von Valencia. Beispielsweise von Präsident Francisco Camps beim Betreten des Justizpalasts oder wie beim Zuknöpfen eines maßgeschneiderten Jacketts, das er angeblich vom Korruptionsring „Gürtel“ als Geschenk erhalten hat. Derartige Bilder mussten auf Anweisung der Regionalregierung aus der Ausstellung genommen werden.

Alle politischen Parteien, mit Ausnahme der PP, haben die Maßnahme verurteilt. Von seiten der PP wurde jegliche Stellungnahme abgelehnt. Doch im privaten Rahmen sollen auch mehrere bekannte PPler sie als überzogen bezeichnet haben.

FAPE hat die Entscheidung des valencianischen Presseverbandes begrüßt, die gesamte Ausstellung zu schließen, die aus insgesamt 91 Bildern besteht, die von 38 Pressenfotografen zur Verfügung gestellt worden waren. Die Aufnahmen zeigen die relevantesten Ereignisse des Jahres 2009 und stammen aus den bekanntesten Zeitungen Spaniens wie El Pais, El Mundo, ABC, El Periódico etc. „Die Entscheidung der Regionalverwaltung ist ein nicht tolerierbarer Akt der Zensur, einer demokratischen Gesellschaft unwürdig, der direkt auf das Recht der freien Meinungsäußerung und der Information abzielt, welche die fundamentalen Säulen unserer Rechtsstaates sind“, heißt es in einer Presseverlautbarung.

Einladung nach Madrid

Der Präsident des Journalistenverbandes Madrid hat inzwischen angeboten, die Ausstellung im Gebäude des Verbandes zu zeigen, eine Einladung, die inzwischen dankend angenommen wurde. Außerdem ist geplant, die Fotos auch in etwa dreißig anderen spanischen Großstädten zu zeigen, damit das Publikum sehen kann, „was in Valencia nicht gefallen hat“.

Rücktritt des Museumsdirektors

Aus Protest gegen die Zensur ist der Direktor des Museums für Illustration und Modernität Muvim, Romá de la Calle, von seinem Posten zurückgetreten. Konkreter Anlass für diesen Schritt war eine offizielle Erklärung der Regionalregierung von Valencia, die Entfernung der Fotos aus der Ausstellung sei in Übereinstimmung mit der Museumsleitung erfolgt.

In einem Gespräch mit der Zeitung El Pais erklärte der Museumsdirektor, man habe keine derartige gemeinsame Entscheidung getroffen, und sein Rücktritt sei seine Antwort auf die undemokratische Maßnahme.

Romá de la Calle ist Professor der Universität von Valencia und Präsident der Königlichen Akademie der Schönen Künste San Carlos. Die Mitarbeiter des Museums haben mit großem Bedauern den Rücktritt ihres Direktors zur Kenntnis genommen. Viele von ihnen hatten Tränen in den Augen. „Jeder sieht die Geister, die er in seinem Kopf hat. Wenn verhindert werden sollte, dass diese Fotos gesehen werden, so haben sie jetzt mehr Aufmerksamkeit erregt als zuvor“, erklärte er.




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