PP verliert die Unterstützung ihrer Wählerschaft


PSOE und Podemos können Nichtwähler mobilisieren

Die Unterstützung, welche die Partido Popular von ihrer Wählerschaft erwarten kann, ist nach der jüngsten Umfrage, die Metroscopia im Auftrag der Zeitung „El País“ durchgeführt hat, im freien Fall. Die Situation der Regierungspartei ist so schwierig, weil Desinteresse und Unbehagen sich in weiten Kreisen der Stammwählerschaft breitgemacht haben. Und das in einem Moment, in dem es die politischen Gegenspieler geschafft haben, die Bürger zu mobilisieren.

Madrid – Allerdings stellt sich die Frage, ob es sich um eine vorübergehende Erscheinung handelt, oder sie sich zu gegebener Zeit in Wählerstimmen ummünzen lässt.

Nach der letzten Umfrage fällt Partido Popular von 30,37%, welche sie bei den Parlamentswahlen von 2011 erreichte, auf 15,9% zurück, wenn jetzt gewählt würde. Diese Zahl steht in Relation mit den 11,22%, welche die PP bei den Europawahlen im vergangenen Mai erreichte. Dieser Absturz in der Wahlbereitschaft ist auf die Unzufriedenheit und Ablehnung innerhalb der Bevölkerung mit der Politik der Regierung zurückzuführen. Dazu gehört ihre passive Haltung im Zusammenhang mit den Unabhängigkeitsbestrebungen und der inzwischen abgesagten Abstimmung in Katalonien, die Zurücknahme des Gesetzentwurfs zur Reform des Abtreibungsgesetzes nach monatelangen Streitigkeiten innerhalb der Partei und schließlich dem Rücktritt des Justizministers Alberto Ruiz-Gallardón.

Auf der anderen Seite haben es die Oppositionsparteien geschafft, Teile der Nichtwähler zu mobilisieren. 72,2% der befragten Personen haben versichert, dass sie zur Wahl gehen würden. Insbesondere die sozialistische PSOE, die im Juli ihre Direktion komplett erneuert hat, kann offensichtlich im Gegensatz zur Partido Popular ihre Wählerschaft zurückerobern. Der neue Generalsekretär Pedro Sánchez, der nach seiner Wahl eine sprichwörtliche „Hyperaktivität“ entwickelt hat und sich bei allen möglichen Gelegenheiten in der Öffentlichkeit präsentiert, konnte offenbar die sozialistischen Wähler neu motivieren. 73 % der befragten Personen sind der Meinung, dass die Partei sich erneuert hat. Das gibt zu der Hoffnung Anlass, bei kommenden Wahlen wieder bessere Ergebnisse zu erreichen, als es mit der alten Führung der Fall war, die bei den Europawahlen in den Keller rutschte.

Podemos, die neue Protestpartei, die als Senkrechtstarter bei den Europawahlen aus dem Stand fast acht Prozent (ca. 1,25 Millionen) der Stimmen erreichte, ist offenbar keine Eintagsfliege, sondern konsolidiert sich als dritte politische Kraft in Spanien. Bei der Umfrage von Metroscopia haben 14,3% der befragten Personen erklärt, Podemos wählen zu wollen. Pablo Iglesias, der Parteichef, konnte seiner Gruppe in den vergangenen Monaten eine Struktur und Organisation schaffen. Die Partei kann offenbar Wähler von der PSOE und der Vereinigten Linken gewinnen. Ihr Verdienst besteht jedoch vor allem darin, Wähler an die Urnen zurückzuholen, die wahlmüde geworden sind und der Politik den Rücken gekehrt haben. Viele davon sind ehemalige Wähler der konservativen Parteien.




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