PP-Chef Rajoy denkt nicht an Rücktritt


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Nach seiner erneuten Niederlage brodelte bereits die Gerüchteküche um einen möglichen Nachfolger

In der Wahlnacht stand sie noch geschlossen hinter ihm. Die Parteispitze der konservativen Volkspartei gab sich auf dem Balkon der Madrider Parteizentrale in der Callle Génova, unter dem Jubel der Anhänger den Anschein, es ihrem Chef und Spitzenkandidaten nicht anzulasten, die Wahlen erneut gegen die Sozialisten verloren zu haben.

Madrid – Schließlich habe man doch ein unglaublich gutes Ergebnis erzielt und fünf Mandate mehr als 2004 erreicht. Und schließlich habe sein Vorgänger, Ex-Ministerpräsident José María Aznar auch zweimal kandidiert, bevor er sein Ziel endlich erreichte. In diesem Zusammenhang wurde selbst der ehemalige sozialistische Regierungs­chef Felipe González als Beispiel herangezogen, denn auch er verlor zweimal die Wahl, bevor er siegen konnte.

Doch bereits am nächsten Tag begann die Gerüchteküche um die politische Zukunft Rajoys zu brodeln. Und zwar längst nicht nur in den Medien, die sich wie ein gefundenes Fressen auf die Möglichkeit stürzten, dass der PP-Chef womöglich aufgeben wird, zumindest aber sein engstes Team auswechseln und, warum nicht, einen gemäßigteren Gang einlegen könnte, der weniger auf rechtem Konfrontationskurs gründet. Nein, auch in eigenen Reihen wurden Stimmen laut, wenn auch noch hinter vorgehaltener Hand, die eine „Erneuerung“ der Partei fordern. Rajoy selbst trug dazu bei, dass die Gerüchte immer lauter und wagemutiger wurden, denn er war am Tag nach den Wahlen wie vom Erdboden verschluckt. Als einziger Parteichef stellte er sich nicht den Medien, um über die jüngs­ten Ereignisse Rechenschaft abzulegen. Erst am 11. März stellt er sich der Öffentlichkeit und machte gleich möglicherweise unter einigen Parteikollegen geschürte Hoffnungen auf einen Aufstieg zunichte. Er will nämlich bleiben. Er habe nicht ein einziges Mal daran gedacht, zurückzutreten, versicherte er und erklärte, dass im Juni ein Parteitag anstehe, bei dem er sich zur Wiederwahl stellen werde, um 2012 erneut als Spitzenkandidat für die PP anzutreten. Natürlich dürfe auch jeder andere für sein Amt kandidieren, er allerdings könne sich das nur schwer vorstellen.

Die Parteispitze sowie alle möglichen Gegenspieler, wie die erzkonservative Madrider Regionalregierungschefin Esperanza Aguirre, die als Kopf des radikalen Lagers der PP gilt, beeilten sich nun, wieder geschlossen hinter Rajoy zu stehen. Ob allerdings die jetzigen Spitzenmänner in der Partei, allen voran Ángel Acebes und Eduardo Zaplana, ihre Position halten können, bleibt noch abzuwarten. Letzterer ist bereits von seinem Amt als Parteisprecher im Parlament zurückgetreten und will nur noch als Abgeordneter agieren. Erstmalig scheint in der konservativen PP tatsächlich die  Möglichkeit in Betracht gezogen zu werden, dass man den in den letzten vier Jahren beschrittenen rechtsradikalen Konfrontationskurs vielleicht noch einmal überdenken sollte.




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