Plastik überschwemmt unseren Alltag


Vor dem Sitz der EU-Kommission in Brüssel mahnt ein plastikspeiender Drache zum Ende des Einmalplastiks. Foto: EFE

Maßnahmen gegen die Seuche des 21. Jahrhunderts

Madrid – In den letzten Jahrzehnten sind Plastik und dessen Derivate in unserem Alltag allgegenwärtig geworden. Der niedrige Produktionspreis und Eigenschaften wie geringes Gewicht und Haltbarkeit machen Kunststoffe zum Platzhalter für Textil, Baumaterialien, Kosmetik und vieler Art Utensilien.

Acht Millionen Tonnen Müll gelangen laut Greenpeace jährlich in die Weltmeere, 200 Kilo pro Sekunde.

70 Prozent dieses Mülls sinken direkt auf den Meeresgrund, 15 Prozent treiben in den Meerestiefen, die restlichen 15 Prozent sind auf der Meeresoberfläche sichtbar.

Diese gewaltigen, auf der Meeresoberfläche treibenden Mengen von Plastikmüll sammeln sich, bedingt durch die Strömungen, zu Inseln von enormem Ausmaß. Eine dieser riesigen Plastikinseln treibt, nach Angaben von Greenpeace, auch im Nordatlantik, eine weitere im Indischen Ozean.

Die Umweltschutzorganisation geht davon aus, dass sich die Müllmenge beim aktuellen Produktionsrhythmus von Kunststoffen bis 2050 vervierfacht.

China ist der Hauptproduzent, gefolgt von Europa, Nordamerika und dem restlichen Asien. Nur 9% des Kunststoffmülls wird wiederverwertet.

In Anbetracht dieser nicht mehr abzuwendenden Wirklichkeit versuchen Regierungen und Umweltschutzorganisationen weltweit Lösungen zu finden, damit die Welt nicht in ihrem eigenen Müll erstickt.

Bislang bestanden diese Maßnahmen in Verboten oder steuerlichen Auflagen. In einem Teil der afrikanischen Länder beispielsweise wurden Plastiktüten komplett verboten, in Asien werden Gebühren erhoben. In Bangladesch sind die Kunststofftüten seit zehn Jahren nicht mehr erlaubt. Alle diese Maßnahmen haben sich jedoch als erfolglos erwiesen.

Japan dagegen konnte durch die Sensibilisierung der Verbraucher und durch eine effektive Müllentsorgung den Gebrauch von Kunststoffen reduzieren.

Auch Costa Rica konnte in Sachen Umweltschutz Erfolge verzeichnen. Laut UNEP (Umweltprogramm der Vereinten Nationen) hat das mittelamerikanische Land seine Waldfläche in 30 Jahren verdoppelt. Allerdings endet heute noch ein Fünftel des Abfalls der Karibik im Meer. Um dem entgegenzuwirken, sieht auch Costa Rica für 2021 ein vollständiges Verbot von Plastikartikeln wie Tüten, Besteck oder Strohhalmen vor.

Auch in Spanien ist noch viel in Sachen nachhaltiger Müllentsorgung zu tun. Täglich kommen 50 Millionen Verpackungen auf den Markt, nur 30 Millionen davon werden angeblich wiederverwertet.

Julio Barea von der Umweltschutzorganisation Greenpeace sieht hier nur eine effektive Lösung: Zurück zu den Pfandflaschen.

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