Pfiffe und Schmährufe für Präsident Zapatero


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König Juan Carlos und Prinz Felipe bedauerten die Zwischenfälle bei der Militärparade

Bei der Militärparade, die alljährlich am 12. Oktober in Madrid stattfindet, waren Pfeifkonzerte und Beschimpfungen zu hören, als Präsident José Luis Rodríguez Zapatero auf der Tribüne für die Autoritäten erschien.

Madrid – Die gesamte spanische Königsfamilie, Präsident Zapatero und die meisten seiner Minister sowie die Präsidenten von Parlament und Senat und von zehn autonomen Regierungen waren anwesend, um der Parade von mehr als dreitausend Mitgliedern der spanischen Streitkräfte, die am Palacio del Oriente aufmarschierten, beizuwohnen. Auch bei dieser Veranstaltung war ein gewisses Sparverhalten zu erkennen. Beim „Día de Hispanidad“ 2009 waren es noch mehr als viertausend Soldaten gewesen.

Die Pfiffe gegen den Präsidenten und die Abwesenheit der Flagge Venezuelas, die eigentlich bei dem Defilee vorbei getragen werden sollte, waren die Auffälligkeiten bei dieser Veranstaltung. Wie später zu erfahren war, hatte man die Anwesenheit Venezuelas kurzfristig aus dem Programm gestrichen, nachdem der Botschafter des Landes behauptet hatte, Aussagen von ETA-Häftlingen über Trainingslager in Venezuela seien durch Torturen vonseiten der Guardia Civil zustande gekommen.

Bei dem offiziellen Empfang im Palacio del Oriente und einem nachfolgenden zwanglosen Treffen mit den Medien, erklärte König Juan Carlos, die verbalen Angriffe auf den Präsidenten hätten ihm sehr missfallen. Kronprinz Felipe erklärte seinerseits, diese bedauerlichen Attacken gehörten inzwischen leider zur Tagesordnung. Er erinnerte daran, Ähnliches sei auch bei anderen Regierungen vorgekommen. Das Verteidigungsministerium schrieb die Zwischenfälle kleinen, organisierten Gruppen zu, die sich per Internet oder SMS verabredet hatten. Zapatero selbst wollte der Sache keine Bedeutung beimessen sondern erklärte lakonisch, es seien immer dieselben Schmährufe, die sozusagen zum Drehbuch gehörten. Ein Sprecher der Jungsozialisten beschuldigte die Jugendgruppen der Konservativen Partido Popular „Nuevas Generaciones“ die Aktionen gegen den Präsidenten organisiert zu haben und nannte ihr Vorgehen miserabel.

Nach den Erfahrungen des letzten Jahres war die Ehrentribüne entfernt vom Publikum aufgebaut worden und der Präsident hatte sie von hinten betreten. Doch als der Sprecher verkündete, der König begrüße den Präsidenten José Luis Rodríguez Zapatero, gellten die Pfiffe. Ausrufe wie „Zapatero Rücktritt“ oder „raus, raus“ waren zu hören.

Auf Fragen von Medienvertretern gaben Personen aus dem Publikum zu, dass sie gekommen waren, um den Präsidenten zu beschimpfen. Die 89jährige Isabel war extra aus Galicien angereist um den Feierlichkeiten beizuwohnen. Sie freute sich über die Pfiffe und Beschimpfungen. „Er hat das verdient, denn er hat zu viele Ausländer in unser Land gelassen..“, erklärte sie. Ein 59-Jähriger, Mitglied der Bruderschaft der ehemaligen Legionäre ist gekommen um Zapatero auszupfeifen, weil er den Etat für die Militärparade gekürzt hat. „Hier wurde gekürzt und dann wird das Geld für Dinge ausgegeben, die nicht nötig sind“, monierte er.

Und was sollen wir rufen?

Unter den Zuschauern befanden sich auffallend viele Gruppen von Vierzehn- oder Fünfzehnjährigen mit teuren Marken-Polos und präkonstitutionellen spanischen Fähnchen in den Händen. „Was sollen wir denn jetzt schreien, ‘ZP ….sohn’?“ fragte einer von ihnen seine Gruppe, die sich einem Platz näherte, der der Ehrentribüne am nächsten war. „Er wird uns nicht hören, wir sind viel zu weit weg“, beschwerte er sich.

„Ich habe Schmährufe erwartet, denn sie sind organisiert. Doch was ich nicht erwartet hätte und was für mich eine schreckliche Enttäuschung war ist die Tatsache, Kinder schreien zu hören. So wurden wir Demokraten damals von den Kindern im Baskenland beschimpft. Sie riefen uns Ausdrücke und Beleidigungen zu, die sie in ihren Familien gehört hatten“, bedauert Senatspräsident Javier Rojo, der zusammen mit der Präsidentin des Verfassungsgerichts, Maria Emilia Casas und dem Parlamentspräsidenten José Bono auf der Ehrentribüne stand.

Die Pfiffe und Schreie verstummten auch nicht, als Blumengebinde zu Ehren von Beamten der Guardia Civil niedergelegt wurden, die im letzten Jahr in Ausübung ihres Dienstes ihr Leben gelassen haben. „Es war mehr als peinlich. Es gibt 364 Tage im Jahr, um die Regierung zu kritisieren, der 12. Oktober war nicht der richtige“ erklärte der Senatspräsident sichtlich verärgert.




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